Geschichten aus der Franzosenzeit

1805-1809


Ausgabe vom 06.08.1931

Kleine Episoden aus der Franosenzeit
Unsere Großeltern haben viel von den Greu­eln und Schrecknissen der Jahre 1805 und 1809 erzählt, die sie von den Franzosen zu erdulden
hatten. Manche davon sind vergessen worden, die wenigsten niedergeschrieben worden. Und doch ist es wertvoll, solche Kriegsepisoden der Vergessenheit zu entreißen, um der gegenwärti­gen Generation unseres Heimatlandes, das im Weltkriege so glücklich war, vom sengenden und
mordenden Feinde verschont zu bleiben, vor Augen zu halten, wie es ihr ähnlich vor etwa zwei Dezennien hätte ergehen können. Hören wir also dem 70jährigen Bauer Leopold Siebenhirter zu: 

Mein Vater war zum Militär eingerückt und brachte es zum Korporal in der Landwehr. Diese hatte im Jahre 1809 ihr Lager in Perschling. Ehe die Franzosen auch diesen Ort erreicht hatten, ging mein Vater nach dem
nicht weit entfernten Unter-Wolfsbach, um sich aus seinem Elternhaus einen Schinken und eine Flasche Wein zu holen. Als er am nächsten Tage wieder nach Perschling zurückkam, fand er seine Kameraden nicht mehr dort, sie waren schon fortgezogen, er wußte aber nicht wohin. „Da trank ich meinen Wein aus und ging nach Hause— niemand fragte nach mir!"
schloß der Vater seine Erzählung.

MURSTETTEN:


Meine Großmutter, berichtet Siebenhirter weiter, war im Jahre 1792 in Murstetten zur Welt gekommen, daher im Franzosenkriege

etwa 17 Jahre alt. 

Sie erzählte uns, ein Fran­zose sei nach Murstetten plündern gekommen und verlangte sodann, die Bauern sollten ihm sein schweres, mit geraubten Sachen volles Bün­del ins Lager nach Perschling tragen. 
„Wir werden dir gleich helfen!" riefen diese, erschlu­gen ihn und schleppten ihn in ein Garten­gebüsch. 
Der vermeintlich Tote erholte sich aber und eilte nach Perschling, holte Kamera­den, um nun Rache zu nehmen. 

Die Horde setzte das Murstettener Schloß, die herrliche "Goldburg", in Brand und ebenso die Kirche. Auf den Kirchturm schleppten sie meh­rere Bündel Stroh, zündeten dieses an, so daß der Glockenstuhl in Brand geriet und die Glocken zum Schmelzen brachte. Das Geläute die­ser Glocken war weit bekannt. Als einst Kaiser Franz auf der Reichsstraße bei Perschling fuhr, hörte er einen herrlichen Glockenklang. Er ließ seinen Wagen halten und sah die Turmspitzen der nahen Goldburg im Sonnenglanze, er meinte zu seiner Umgebung, er komme zu einer Stadt. 

Diese Goldburg brannte acht Tage lang; auf den Schloßböden waren zwar große Wasserbottiche, doch niemand wagte es, der Feinde wegen, zu löschen. Die Bewohner Murstettens flohen in die nahen Wälder und verbargen sich dort. Auch meine Großmutter war unter den Flüchtlingen und hatte sich mit einer Kuh, die sie mitgenommen, im Dickicht versteckt. Da ka­men plötzlich mehrere Franzosen daher. Sie hat­ten am Wege den Kot der Kuh gesehen und such­ten nun eifrig nach derselben. Voll Angst hielt das Mädchen der Kuh das Maul zu, daß selbe durch ihr Brüllen das Versteck nicht verrate.
Die Franzosen gingen zwar vorüber, bemerkten aber nichts, und lenkten ihre Schritte nach Unter Wolfsbach, wo sie sodann den Leu­ten das ganze Vieh Wegnahmen und ins Lager nach Perschling trieben.


Auch nach Doppl kam ein Franzose und verlangte Lebensmittel. Doch die Bauern da­ selbst verjagten ihn und er mußte im Hohlwege gegen den Teichhof fliehen. Plötzlich drehte er sich um und schoß auf seine Verfolger. Er traf den Bauer Scheibl, Besitzer des Hauses Nr. 8,
in die Kniescheibe. Trotzdem verfolgten ihn die übrigen weiter. Nochmals wollte er sein Gewehr laden, doch schon hatten sie ihn eingeholt, er­
schlugen ihn mit einem „Mistkrall", zogen ihn sodann zu dem Acker bei der Dorfkapelle, wo sie ihn bei der Linde eingruben. Sein Gewehr und sein Tschako wurde im Hause Nr. 6 ver­steckt, beide gerieten aber später in Verlust.
Noch einmal kamen Franzosen nach Doppl, auf den sog. Fingelberg. Sie waren aber krank, hatten den „Durchfall" und konnten nicht mehr
weiter. Sie baten, ihnen das Leben zu schenken. Aber die Bauern hatten kein Erbarmen, er­schlugen alle und begruben sie daselbst. Wieder
kamen zwei Franzosen und die Bauern mußten ihnen die Bündel mit dem geraubten Gute durch die sog. Silbergrube tragen, einen Hohl­weg von Paltram nach Ollersbach. 
Ein Fran­zose ging nach Pettenau, um noch etwas mit­ gehen zu lassen. Da liefen die Bauern dem  zu­ückgebliebenen Franzosen davon, die Bündel liegen lassend. Er schoß ihnen nach und traf einen Bauer, der tot liegen blieb. 

Meine Mutter stammte aus dem Orte Dörfl bei Kasten. Diese erzählte mir, daß, als im Jahre „Neun" die Bauern von Stössing hörten, daß in der Nähe von Kasten Franzosen sein sollen, mit Heugabeln, Sensen und Hacken bewaffnet, nach Außer-Kasten kamen. Bei der sog. Riemermühle, zwischen Mitterfeld und Außer-Kasten, trafen sie mit denselben zusammen. Sie erschlugen alle, bis auf einen, der entkam und andere zur Hilfe brachte. Die Herbeigeeilten meinten, daß es Kastner Bauern waren, welche ihre Kameraden erschlagen hatten und wollten sich durch Nie­derbrennen des Ortes rächen. Sie kamen, orts­unkundig, zum Angerhofe, den sie für Ka­sten hielten, und äscherten ihn ein. Von hier zogen sie nach Mooseck auf die Moosecker Wiese. Hier hatten sich Flüchtlinge aus Weißen­kirchen, Würmla, Perschling, Thalheim gela­gert. Es kam zu einem Gefechte zwischen den beiden Gegnern und beiderseits gab es Ver­wundete und Tote. Die tapfere Moosecker-Bäuerin stach mit einer Ofengabel einen Fran­zosen vom Pferde, worauf der Feind die Flucht ergriff.—

Leopold Siebenhirter erzählt noch weiter:
Ein Augenzeuge, Biderl mit Namen, war im Jahre 1875 ein alter Mann mit 87 Jahren. In seiner Jugend war er Baumeister, verarmte dann und fristete im Alter sein Leben durch die Erzeugung von Windmühlen zum Putzen des
Getreides. Dieser hat mir folgendes gesagt: Ich war damals 12 Jahre alt und hatte mtt meinen Eltern von Jeutendorf aus die Flucht vor dem Feinde ergriffen. Im Walde bei Totzenbach, dem Hausberge, der damals noch Jungholz ge­wesen, hatten wir uns versteckt. Von hier aus habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie die Franzosen zum Oedhof kamen und von dessen Besitzer, der Hessinger geheißen, Geld und Le­bensmittel verlangten. Statt ihnen etwas zu geb m, lief Hessinger vom Hause weg über ein
Feld, auf welchem ein Düngerhaufen lag. Sie schossen ihm nach und trafen ihn gerade bei diesem Haufen. Da sie wahrscheinlich mit Pech­kugeln schossen, so entzündete sich der Haufen und der dabei liegende Bauer verbrannte. Sein Besitz, der Oedhof, ging dann auch in Flam­men auf.—

Jetzt will ich noch zweier alten, nicht mehr lebenden Gedenkweiblein, der „alten Kreuzwegerin" und der Bittner-Resl Mitteilungen über die Ereignisse des Jahres 1809 wieder­ geben. Im Jahre Neun waren die Franzosen
in unserer Gegend, in Totzenbach, Paltram, Doppl und Ober-Wolfsbach, in Paltram, am Steinberger'schen Hause (Nr. 9) wohnte ein gewisser Scheidl, den haben die Franzosen er­schossen. Bei der Kapelle in Doppl sollen sieben Franzosen begraben worden sein; ebenso in O b e r-W o lf s b a ch. Die Leute flüchteten in das Schloß zu Totzenbach, dessen Brücke aufgezogen wurde. Das Haus des Oetzelt in Totzenbach(Nr. 24, im Jahre 1903 nieder­
gerissen werden, an seiner Stelle erhebt sich ein Neubau) wurde in Brand gesteckt. Als der Waffenstillstand geschlossen worden, da haben
sich die Paltramer Bauern „zusammengemacht" und mehrere Franzosen erschlagen. Auf der „Neuwiese" haben sie sie begraben. Im „Stein­graben" zu Totzenbach, wo damals hoher Wald stand, hatten die Flüchtlinge ihre Betten aufge­schlagen.—

Mögen solch kleine Kriegsepisoden auch an­derwärts gesammelt und niedergeschrieben wer­den. Sie bilden doch Beiträge zu unserer 
Hei­matsgeschichte und bewirken, daß wir an unse­ren heimatlichen Gauenritt um so größerer Liebe hängen.
Ferdinand Kortan, Totzenbach.



1809 Feldkreuzweihe

Ausgabe vom 14. 09.1916

(Feldkreuzweihe) Am 8. d. M. wurde ein neues Feldkreuz an der Straße
nach Gumperding, eine Spende der Herren

Johann Pfeiffer, 
Josef Hufnagl und 
Johann Gräll, unter

überaus, zahlreicher Teilnahme von Andächtigen
eingeweiht. An derselben Stelle war nach einer
glaubwürdigen Überlieferung zum ersten Male
im Kriegsjahre 1809 ein Kreuz errichtet worden.

Damals hausten die Franzosen hier geradezu entsetzlich. 
Murstetten wurde geplündert und dann mitsamt der herrlichen „Goldburg" 
in Brand geschossen. Die Stelle des Kreuzes soll die Grenze
bezeichnen, bis zu der die Franzosen kamen. 

Geschmolzene Kirchenglocken werden versteigert

Ausgabe vom 18.04.1810

Von der gräflich von Althannschen Patronatsherrschaft Murstetten wird anmit bekannt gemacht, daß das bei der im vorigen Jahre durch die eingedrungenen Feinde abgebrannte Pfarrkirche zu Murstetten, nächst der Poststation Perschling, von den geschmolzenen Glocken vorhandene Materiale, oder sogenannte Glockenspeis, am 4. Mai d. Jahres gegen gleich bare Bezahlung an die Meistbietenden versteigert werden wird. Das Materiale ungefähr aus 32 Zentner bestehend, ist von der besten Qualität, und kann täglich an Ort und Stelle in Augenschein genommen werden. Die Kauflustigen werden demnach auf obbesagten Tag Vormittags um 10 Uhr in die Amtskanzlei der Herrschaft Murstetten zur diesfälligen Versteigerung vorgeladen.