Gendarmerieposten Thalheim-Murstetten

Bild zur Verfügung gestellt von: Maria Luise Kerschbaum

Am 01. März 1897 wurde im Gebäude der Gutsherrschaft Thalheim, Gutsbesitzer Dr. Friedrich Wele-Minsky, ein Gendarmerieposten eingerichtet.

Die Unterkunft war kostenlos. Es handelte sich um einen Einzelposten. Überwachungsgebiet waren die Gemeinden Thalheim und Murstetten. 

Mit 01. Mai 1936 erfolgte die Verlegung des Postens von Thalheim nach Murstetten in das Haus Nr. 47. ( heute 2023, Althannstraße 7) 

23. August 1917

(Auf frischer Tat ertappt) wurde eine Frau aus W. in Begleitung ihres Sohnes, als sie in mondheller Nacht eben Kartoffel vom fremden Felde wegräumen wollte. Das wachsame Auge des Herrn Wachtmeisters Gill hatte sie entdeckt. Wie eine Hausdurchsuchung ergab, war dies nicht der erste
Diebstahl dieser Art.

1937

Die Gemeindetage von Murstetten und Thalheim haben in ihren Sitzungen am 13. Juni 1937 den einstimmigen Beschluss gefasst, Sr. Wohlgeboren Herrn Postenkommandanten Johann Gill - Revierinspektor- in dankbarer Anerkennung seiner grossen Verdienste welche er sich während seiner 38-jährigen, pflichteifrigen und aufopferungsvollen Dienstzeit, darunter 24 Jahre in der Gemeinde Murstetten und Thalheim erworgen hat, zu ihrem Ehrenbürger ernennen.
Bürgermeisteramt Murstetten: 
Johann Gräll Bgm., Anton Kos Bgm. stellv., Franz Breitner geschäftsf. Gemeinderat, Johann Fellner geschäftsf. Gemeinderat, und die Gemeinderäte: Anton Edlebacher, Alois Mitterhofer, Anton Mengl, Alois Gassner, Franz Müller, Alois Gruber, Karl Pfeffel, Josef Karrer

Bild zur Verfügung gestellt von:
Familie Gill

29. September 1949

 

Nach aufregender Verfolgungsfahrt gestellt— Böheimkirchner Gendarm verfolgt zwei britische Strafgefangene und verhaftet sie in Murstetten. 

In Wien wurde in der Nacht auf Dienstag ein LKW gestohlen auf dem sich zwei neue italienische Maserati-Rennwagen, ferner 9 neue Rennreifen und 6 Autowerkzeugkisten befanden.


Auf Grund der Radioverlautbarung wurde der Gendarmerieposten in Böheimkirchen auf den Wagen aufmerksam und dem Gendarm Wallner gelang es nach einer aufregenden Jagd, die er in einem aufgehaltenen Personenwagen im 100-Kilometer-Tempo durchführte, den gestohle­nen Wagen in Murstetten zu stellen. Auf dem Wagen saßen zwei englische Soldaten. Der eine stieg bei der Anhaltung sofort aus, der andere versuchte den Gendarm mit einem Hammer einzuschüchtern. Nach­dem vom Gendarmerieposten Murstetten Hilfe kam, wurde auch der zweite Soldat
festgenommen. Es handelt sich um zwei militärische Strafgefangene, die in Wien aus dem britischen Gefangenhaus aus­brachen und im nächststehenden Kraft­wagen die Flucht ergriffen. Sie fuhren zu­
nächst nach St. Pölten, wo sie einen Teil der neuen Rennreifen verkauften, dann nach Pottenbrunn, wo sie wieder einige Reifen zu Geld machten. In Böheimkirchen wurde der. Betford“-Wagen, wie erwähnt, erkannt. Offenbar wollten die zwei Solda­ten nach Wien zurückfahren.


Quelle: 

ANNO - AustriaN Newspapers Online | ANNO - AustriaN Newspapers Online


17. April 1953

Die Frau half beim Raub
Vor einem Geschwornensenat des Kreis­gerichtes St. Pölten unter dem Vorsitz von Oberlandesgerichtsrat Dr. Reinberg be­gann Donnerstag ein Prozeß gegen den 25jährigen ehemaligen Gendarmen Werner Steingruber und seine mitangeklagte 26jährige Frau Herta. Steingruber versah
nach seiner Heimkehr aus der Kriegs­gefangenschaft im Gendarmerieposten Mur­stetten Dienst. Mit seinem Freund Helmut Trinkl aus Wien verabredete er im Mai 1948, die Schreibmaschine seines Postenkom­mandos zu stehlen. Als der zweite Gendarm des Postens Urlaub hatte, schien Steingruber
die Zeit günstig. Er schrieb Trinkl einen Brief, in dem er ihm den Tag nannte, an dem er nach Murstetten kommen sollte. Durch einen Irrtum kam Trinkl einen Tag zu früh in den Ort, traf Steingruber nicht an und stahl die Schreibmaschine allein. Er verkaufte sie in Wien im Resselpark. Als
der Diebstahl entdeckt wurde, lenkte Stein­gruber den Verdacht bewußt auf andere Personen, vor allem auf den in Murstetten wohnenden Richard Rauch, bei dem er sogar eine Hausdurchsuchung vornahm und ihn
aufforderte, doch zu gestehen, weil nur er als Täter in Betracht käme. Rauch wurde zwar nicht angezeigt, doch verlor er seinen Arbeitsplatz.
Einige Monate später, im Juli 1948, ver­abredeten die beiden Freunde einen zweiten Diebstahl. Wieder war eine Schreibmaschine das ausersehene Objekt; sie befand sich im Haus des Arztes Dr. Satzinger in Würmla.
Als sich die beiden bereits im Garten des Hauses befanden, bekam aber Trinkl Angst.
Daheim bei Steingruber lachte die Frau des Gendarmen die beiden ordentlich aus und kündigte an, daß sie das nächste Mal selbst
mittun werde. Am 7. Juli stieg Steingruber mit seiner Frau— Trinkl war tatsächlich ausgesprungen— durch ein Fenster in die Wohnung des Arztes. Die Frau hatte Männerkleider angelegt und beide hatten sie einen Strumpf vor dem Gesicht. In dem Zimmer, in das sie gelangten, schlief das
sechzehnjährige Dienstmädchen des Arztes. Steingruber fesselte, während die Frau mit der Taschenlampe leuchtete, dem Mädchen
die Hände und band es an das Bettgestell. „Wenn du schreist, stechen wir dich ab“, drohten die beiden noch, dann schlichen sie in das Nebenzimmer. Dem Mädchen gelang es aber, sich von den Fesseln zu befreien;
schnell sperrte es die Tür ab, die in das andere Zimmer führte. Jetzt verließ die beiden, die das Zusperren gehört hatten, der Mut und sie flüchteten durch das Fenster ins Freie.
Die Abenteuer des Gendarmen Stein­gruber wären wohl nie aufgekommen, wenn er nicht eines Tages mit seiner Frau Streit gehabt hätte; sie erzählte einem Bekannten, mit dem sie ein Verhältnis hatte, von den Verfehlungen ihres Mannes. So kam, sehr spät, die Sache auch der Gendarmerie zu
Ohren. Trinkl schoß sich, als er von der Anzeige gegen ihn und Steingruber erfuhr, in den Kopf und ist seither erblindet.
Vor Gericht bekannten sich Steingruber und seine Frau nur teilweise schuldig. Sie sagten, sie hätten den Raub nicht verüben wollen, um zu Geld zu kommen; sie hätten nur aus Freude am Abenteuer so gehandelt.
Die Verhandlung wurde schließlich zur Durchführung eines Lokalaugenscheines vertagt.

Quelle: 

ANNO - AustriaN Newspapers Online | ANNO - AustriaN Newspapers Online


17. April 1953




Räuber und Gendarm in einer Person
Er und seine Frau wollten "einmal etwas Tolles" unternehmen

 
Wien, 17. April (Eigenbericht). Vor einem Geschwornensenat des Kreisgerichtes St. Pöl­ten rollte gestern ein Vorfall ab, der schon
seinerzeit— im Sommer vorigen Jahres— in ganz Österreich großes Aufsehen erregt hatte. Vor dem Richter standen der 26jährige frü­here Gendarm Werner Steingruber und dessen 27jährige Gattin Hertha unter der
Anklage des Raubes. Die Anklageschrift, aus der hervorgeht, daß Steingruber am 7. Juli 1948 als aktiver Gendarmeriebeamter von
Murstetten gemeinsam mit seiner Gattin in das Haus des Arztes Dr. Satzinger einge­stiegen war und dort die Hausgehilfin gefes­selt, geknebelt und bedroht hatte, nur um einmal „etwas Tolles zu unternehmen“, über­
trifft den Inhalt des billigsten Schundromans.
Schon am 5. Juli waren Steingruber und ein Freund nachts maskiert zum Hause Dr. Satzingers gegangen, um dort einzudringen.
Sie gaben ihr Vorhaben jedoch auf, da sie schließlich der Mut verließ. Zwei
Tage später aber wiederholte Steingruber seinen Versuch, diesmal in Begleitung seiner Gattin. Um ein Uhr nachts machten sie
sich, die Gesichter mit schwarzen Tüchern maskiert, auf den Weg zum Hause des Dok­tors, das dreieinhalb Kilometer außerhalb
von Murstetten liegt. Die beiden stiegen durch ein Fenster in das Zimmer der Hausgehilfin Leopoldine Weiß ein und Steingruber fesselte und knebelte sie. Laut Anklageschrift sagte er zu ihr: „Wenn du nicht ruhig bist,
ersteche ich dich!“ Um diese Drohung zu untermalen, zeigte er ihr einen Hirschfänger, mit dem er dann die Telephonleitungen
durchschnitt.
Das Mädchen konnte sich jedoch schließ­lich befreien und die Flucht ergreifen, worauf die beiden Eindringlinge davonliefen, ohne etwas geraubt zu haben. Die Angelegenheit kam nur dadurch auf, daß die Frau des Gendarmen davon erzählte, als sie gerade auf -ihren Mann eifersüchtig
war. Bis zu seiner Verhaftung machte Stein­gruber als gutbeschriebener Gendarm weiter­hin Dienst. Der Bekannte Steingrubers, der mit ihm den ersten Einbruchsversuch unter­nommen hatte, verübte später einen 
Selbst­mordversuch, der mißglückte. Ein Pistolen­projektil verletzte jedoch die Sehnerven des Mannes, der seither völlig blind ist. Gegen ihn läuft ein eigenes Strafverfahren. In der gestrigen Verhandlung gaben der
Gendarm und seine Frau ein Motiv an, das beim Senat und auf der Geschwornenbank Kopfschütteln hervorrief. Sie erklärten ein­
stimmig, es habe sich nur um eine „Mut­probe“ gehandelt. Die Frau erzählte, Stein­gruber sei eine Abenteurernatur und schwärme für Frauen, die sich etwas trauen. Um ihm zu beweisen, daß auch sie imstande sei, „etwas
Tolles zu machen“, habe sie dann mit ihrem Mann den Plan ausgearbeitet und durch­geführt, obzwar sie fürchterliche Angst hatte.
Die Verhandlung wird heute fortgesetzt und voraussichtlich beendet. 



Quelle: 

ANNO - AustriaN Newspapers Online | ANNO - AustriaN Newspapers Online