Jänner 1890 fand die Gründung der zur Feuerwehr Thalheim gehörigen
Filiale Murstetten statt. Die Filiale ist heute schon im Besitze einer
schönen neuen Spritze von Heckele und besteht aus 20 Mitgliedern. Nach
dem Festgottesdienste fand eine sehr gelungene kombinierte Übung statt,
worauf in das Schloß des Herren Grafen Althann marschiert wurde,
allwo der Obmann des Bezirksverbandes Herr Jul. Hauschka eine
Ansprache hielt, in der er die Pflichten der Feuerwehrmitglieder erklärte,
zur Einigkeit mahnte, sich im Nahmen des Feuerwehrwesens niemals
von anderen Grundsätzen leiten zu lassen, als von denen des 
Gehor­sams gegen die Vorgesetzten, der guten Kameradschaft und wahrhafter Tapferkeit anlässlich eines Brandunglückes. 
Insbesondere glaubte Redner betonen zu müssen, alles Gezänks hauptsächlich aber politische
Meinungen im Rahmen des Vereines niemals zum Ausdrucke bringen
zu lassen. Redner erinnerte schließlich an den Wahlspruch Sr. Majestät
„viribus unitis" und brachte auf das Gedeihen der neuen Filiale ein
dreifaches „Gut Heil" aus. Nach einem höchst gelungenen Concerte endete
die Feier erst um Mitternacht, denn ein Kranz schöner Damen pflegte
das edle Tanzvergnügen in reichlichstem Maße.

Restaurierung der Kirche

Ausgabe vom 24.12.1890

Murstetten. Was wird uns das Christkind
bringen? fragt in diesen Tagen mancher Mund. Wir
nun wissen es bereits, es bringt uns eine schöne
restaurierte Kirche für das hohe Fest. Vor 6 Jahren
wurden mit 21 fl. (Gulden) die Restaurationsarbeiten begonnen
— nun sind sie vollendet. Gott hat geholfen und der
Kirche zahlreiche Wohltäter erweckt; daher: Soli Deo
gloria! Das Innere der Kirche ist durch die gelungenen
Arbeiten wie neu. Herr Maurermeister C. Plutzky 
be­sorgte die Renovation des Mauerwerkes, Herr 
Ver­golder Andri restaurierte und vergoldete in reichster
Weise die Altäre, Kanzel und Oratorien; die neuen
Fenster aus farbigem Glase (Teppichmuster) lieferte
Kunstglaser Müller in Schwertberg; die neue Orgel,
welche sogar von einem Fachmanne aus dem 
Waldviertel erprobt und gelobt wurde, stellte der Orgel­- 

bauer und Stadtorganist in Neutitschein, Herr C.
Neuß er, auf: jede einzelne Arbeit lobt und empfiehlt
ihren Meister. Zieht man noch in Betracht die 
zier­lichen Wappenschilde am Triumphbogen der Kirche
der Freiherren von Althann aus dem XIV., die 
herr­lichen Epitaphien von carrarischem Marmor derselben
Familie ans dem XVI. Jahrhunderte (Hoch-Relief
von Alex. Kolm), das schöne Grabmal des kais. 
Gene­rals und Obriststallmeisters,. Gundacker Reichsgrafen
von Althann re., beachtet man die Grabsteine mit
gothischer Majuskelschrift, den Römerstein :c. so muß
man sagen, daß die Kirche zu Murstetten eine der
schönsten und sehenswertesten Landkirchen unserer
Diözese sei. Die Murstettner sind auch, und mit Recht,
stolz darauf, haben sie doch einen großen Teil der
Restaurationskosten freiwillig geleistet.— Veni! Vide!

Volkszählung

Ausgabe vom 29.01.1891

Murstetten - Volkszählung

Die Volkszählung in Murstetten ergab 898 Seelen,
um 48 weniger, als bei der letzten Zählung. Das
Minus wäre 100, wenn nicht inzwischen in Thalheim
eine Meierei errichtet worden wäre, bei der viele 
ver­heiratete Taglöhner Arbeit fanden.— Wer sich für
Heraldik interessiert, findet beim Photographen 
Neunteufl in St. Pölten Photographien alter Wappen
und Grabsteine der Kirche Murstetten.

Bau der Volksschule

Ausgabe vom 18.01.1894

Vergebung 

von Bauarbeiten.

Am Sonntag den 11. Februar dieses Jahres findet um 9 Uhr vormittags im alten Schulhause zu Murstetten die

öffentliche Licitation (Ausschreibung) des Neubaues einer dreiklassigen Volksschule


in Murstetten statt. Hierbei werden die Arbeiten der einzelnen Gewerbe, als: Maurer, Zimmermann, Schlosser, Tischler und Anstreicher, sowie der Spengler und Hafner usw. vergeben.
Die zum Baue erforderlichen Ziegel, Kalk und Sand werden seperat verlicitiert.
Jeder Ersteher hat ein 10%iges Badium?
des Ausrufungspreises zu erledigen.
Der gefertigte Ortsschulrath behält sich vor, innerhalb acht Tagen nach der stattgefundenen 
Licitation, ohne Rücksicht auf die Höhe des Erstehungspreises die ausgeschriebenen Arbeiten zu vergeben.
Ortsschulrath Murstetten
am 13. Jänner 1894

Bau der Waldstraße und

Brand in Gottlosberg

Ausgabe vom 02.08.1894

Vom Haspelwalde. Krieg ist sonst ein Unglück und Krieg, natürlich unblutigen, gibt es nun im Haspelwalde. Vier Gemeinden sind da im Kampfe: Neulengbach und Murstetten wollen eine Verbindungsstraße durch den Haspel, welche von Neulengbach ausgehend, an der Ruine Raipoltenbach vorüber, beim alten Schwerthofe durch den Haspelwald, Murstetten schneiden nach Perschling und Herzogenburg führen soll. Hierfür interessierten sich alle anliegenden Gemeinden und das Fideicommist Murstetten;-Totzenbach und Thalheim wollen auch eine Straße haben zur Station Kirchstetten. Das Gut Thalheim, im Besitze einer Wertheim`schen Gasse, baut bereits vorläufig auf eigene Kosten - andererseits hört man, daß auch in der Richtung Neulengbach-Murstetten gearbeitet werde, "Ich will eine Straße haben!" sagt Thalheim; "Und wir geben auch nicht nach", ruft die Gegenpartei! Duobus certantibus... keiner gibt nach.... und so freuen sich alle an diesem Kriege Unbeteiligten, daß vielleicht statt einer im laufe der Zeit zwei Straßen den Wald durchschneiden werden - nur Ehrliche freuen sich nicht darüber: der Pfarrer und seine Leidensgenossen, die jetzt schon die Lebensmittel schwer auftreiben, und denen man dann alles bis aufs letzte Ei an den Augen vorbei nach Wien i.e. zur Bahn wegschleppen wird.

Brand in Gotthartsberg

Donnerstag abends, halb 10 Uhr, schlug der Blitz in die Scheune der Bauerswitwe Haiden in Gotthartsberg. Das Feuer verbreitete sich bei dem Gewittersturme schnell auf die angebauten Stallungen und Wohnhaus und äscherte alle ein, - das ganze Haus ist ein wüster Trümmerhaufen, die Fechtung bis auf Weizen und Hafer vernichtet. Die Murstettner Feuerwehr war die erste und einzige die am Brandplatze erschien, um das Rettungswerk durchzuführen, die angebauten, sehr gefährdeten Nachbarhäuser zu schützen. Sie arbeiteten unverdrossen die ganze Nacht, bis alle weitere Gefahr beseitigt war. Hierbei erwarb sich der Maurermeister Herr Alois Fröstl besondere Verdienste, indem er mutig und entschlossen zuerst die Mauer des Stalles durchbrach, so daß Pferde und Rindvieh gerettet werden konnten; dran, als schon der Haustock brannte, in die Wohnstube, um aus einem Kasten die Wertsachen der fassungslosen Witwe in Sicherheit zu bringen und hat versengte Augenbrauen und Blasen an den Augendeckeln davongetragen. Da hat man wieder deutlich gesehen, wie nützlich eine tüchtige Feuerwehr mit mutiger und kluger Führung ist. Herr Alois Fröstl und den übrigen Feuerwehrmännern sei hiermit öffentlicher Dank gesagt.

Danksagung

Die Gemeindevorstehung Murstetten fühlt sich verpflichtet, der freiwilligen Feuerwehr von Murstetten für die rasche und wirklich opferwillige Hilfeleistung bei dem durch Blitzschlag in der Nacht vom 26. auf 27. Juli ausgebrochenen Brande zu Gotthartsberg (früher Gottlosberg) den wärmsten Dank auszusprechen.
Gemeindevorstehung Murstetten
am 28. Juli 1894
A. Kleinmayer, Bürgermeister