Joseph Bilzer - 

Wund-und Geburtsarzt in Murstetten

Ausgabe vom 15.02.1863


Verzeichnis
jener Personen, welche sich durch besonders eifrige 
Tätigkeit um die Schutzpocken-Impfung besonders 
verdient gemacht haben:
Für besonders eifrige Tätigkeit zur Verbreitung
der Schutzpocken-Impfung haben die nachstehenden
Herren Ärzte und Wundärzte schriftliche Belobungen erhalten.


Im Sanitätsbezirk St. Pölten:
Bilzer Joseph in Murstetten


Murstetten 51/od. 57
Joseph Bilzer, Wund- und Geburtsarzt und Maria (geb. Hollacher) 
Ist später mit der Familie nach Rassing/Kapelln übersiedelt und war dort auch im Ortsschulrath.


Kinder:

 
Geb. 1859, Rudolph Leopold Bilzer
Geb. 1865, Joseph Mathias Bilzer, 

Pfarrhof und Schule niedergebrannt

am 17.05.1864

Ausgabe vom 19.05.1864

(Brand) Vorgestern den 17. d. brach im Pfarrorte Murstetten bei Perschling circa 11 Uhr Vormittag Feuer aus, das 17 Häuser (worunter der Pfarrhof u. auch die Schule) einäscherte. - Näheres ist uns bisher noch nicht zugekommen

Perschling. (Niederösterreich) Von hartem Mißgeschick betroffen.
Der Pfarrort Murstetten ist von einem großen Unglück heimgesucht worden. Was jahrelange Mühe der Bewohner erworben, wurde in wenigen Stunden vernichtet. Am Pfingstdienstag um 11 Uhr Vormittags brach nämlich Feuer aus und legte 17 Häuser in Asche. Leider wurde dabei auch die Schule und der Pfarrhof von den Flammen zerstört. Die meisten Leute waren eben beim Essen, als der Schreckensruf "Feuer" ertönte und ihnen für lange Zeit den Appetit verdarb. Wie dasselbe ausgebrochen ist, wird man wohl bald zu hören bekommen.


Waldkegelbahn in Murstetten - 

Aus meiner Kindheit Tage -

Erzählung vom Arztsohn Rudolf Bilzer

ca. 1860-1870

Ausgabe vom 02.07.1936


Meine Eltern hatten in den Sechzigerjahren in Murstetten oben in Greut eine Wirt­schaft erworben, die von einem großen Garten umfriedet war. 
Ein Bächlein, von der starken Waldquelle mit Hellem Trinkwasser gespeist, 

durchzog den Garten der Länge nach und bot mir Gelegenheit, mich zum Schiffer auszubil­den, umso mehr, als unser Taglöhner ein ge­borener Zwentendorfer, also ein Donauländler — für mich und meine Kameraden allerlei Schifflein formte und schnitzelte, -die wir dann unter großem Halloh vom Erlengrund bis zur Ausmündung als Kapitän bugsierten. 
Mein Vater! war ein großer Gartenfreund und hat in seinen Mußestunden allerlei Bäume dort gepflanzt. Ob wohl noch einer davon Früchte 

trägt? 

Einen mächtigen Anziehungspunkt für uns Schulbuben bildete unstreitig
auch die Waldkegelbahn, die ein Wiener Sommerfrisch­ler, Herr Katzer, auf seinem dorfabgeschiedenen Waldbesitz anlegen ließ und allwo sich eine von ihm für ständig geladene Gesellschaft am Kegel­spiel vergnügte.

Bewegung macht durstig, be­sonders den, der dem Weine hold ist und— 

um ihn herbeizuschaffen, dazu waren wir Bu­ben berufen. 
Die Taverne lag tief unten an der Dorfstraße. 
Der Weg aber dorthin und zu­rück führte an des Pfarrhofs Brünnlein vor­bei und— goldgelb lachte der Wein aus der geschliffenen Maßflasche und war denn schon im Paradiese?— Die Schlange— und in Mur­stetten?— Das Pfarrhofbründl.— Also, daß ich recht sage, der Stoiberveda hat gerufen: 


Bübl, hol mir eine Maß Wein herauf! Wie flink ich da hinuntersprang am Spital vorüber und übers Bergerl hinunter und zur Taverne 

hinein. Eine Maß Wein fürn Stoiba Herrn. 

So, so!— und über eine Weile ging es mit der Weinflasche bergan. 
Der Versucher hockt schon dort am Brunnenrand und winkt. 
Laß mi a kostn!— Nein, heute kost ich selber nicht und du kriagst auch nicht einen Tropfen, der Stoibaveda gibt mir schon etwas.— Ha, ha, 

-er gibt dir nichts. 
Laß kostn und schon läutet er am Brunnenschwengel, aber ich geh meines 

Weges, der Förstlbub hinter mir drein. 
Grad wirft der Stoibaherr die Kugl polternd am Laden nieder und was er sich auch dreht und stampft, die Kugl läuft leer neben für. 
Anwirsch dreht er sich herum, nimmt die Flasche an sich und brummt. Kannst schon wieda gehn, i wir da schon amol was versprechn.— 
Schleck, schleck, macht der Förstlbub und feixt mich. 

Draußen am Heimweg stoßen wir aneinander und ein Glück, die Gartnerfritzi kommt des Weges und ruft ganz laut. 
Schämt ihr euch nicht, wie Gassenbuben zu raufen. 
Das war viel gesagt, beschämt schlich ich talwärts. 
Der Stoibaveda hat mir sein Lebetag nichts ver­sprochen, noch weniger etwas gegeben, aber— ist er auch schon längst gestorben— vergessen 

habe ich es nicht und ein Denkzettel ist es für mich geblieben. 
Halten, was man verspricht, besonders Kindern gegenüber, sie sind die 
un­barmherzigsten Gläubiger. 
Ja, ja, ich habe auch versprochen, über die Kirche, über die 
Entwick­lung des Dorfes von anno dazumal bis heute herauf zu schreiben und will es auch halten, muß mich aber für diesmal schon sehr auf den 

mir Zugedachten Raum beschränken. 

Die Kirche zu Murstetten ist besonders in ihrer inneren Ausgestaltung sehenswert und verfügt über eine ganz seltsame Sitzordnung. 
Die Frauen sitzen auf der rechten Seite. Warum? Dies und 

das Fehlende wird den Abschluß meines Auf­satzes aus meiner Kindheit Tagen bilden. 

Gerne erinnere ich mich noch an den Wirt­schaftshof Haidinger und an seinen Birnbaum, an dem immer schon um die Sonnenwende herum süß-saftige Birnen hingen, die auch für mich reiften.— 
Die ersten Hollerstrauben und rahmgefüllte Feuerflecken habe ich von der 

Tochter des Hauses wiederholt angeboten er­halten— Fremdes schmeckt immer besser als das Daheimtige— und ich Hab vom Herzen dafür Gelts Gott! gesagt.— Wie ich anheb vom Haidingerhof zu reden, da stehen auf ein­ 

mal eine Menge alte und junge Murstettner 

vor mir. 
Mein Taufpate, der Kaufmann Schachner, der Förster Czerny, der Linauer, der erste Bäckermeister Czernauschek, Herr Katzer, der Wienerherr, der Schulmeister Gartner, vo dem Hochw. Herrn Pfarrer hab ich schon 
gesprochen, und eine Menge Buben und Mädeln. 

— Viele und viele davon sind heimgegan­gen. Wart- balde— balde ruhest du 

auch!