Murstettner verübt Raubmorde

 im Dreiföhrenwald 

Franz Schneider geb. 1856 in Murstetten und seine Gattin Rosalia

Johanna Stoiber


Franz Schneider hatte am 25. Mai 1891 am Rennweg in Wien Johanna Stoiber angesprochen mit der Aussicht auf einen gut bezahlten Arbeitsplatz. Er hat sie in einen Wald gelockt und war bei einer Kapelle

über sie hergefallen. Am nächsten Tag in 

der Früh hatte er Stoiber jedoch laufen lassen,

weil sie kein Geld und keine Wertsachen hatte.


Eine Taglöhnerin machte am 23. Juli 1891 im Dreiföhrenwald bei Neulengbach eine grausige Entdeckung.


Im Gestrüpp lag die nur mit Unterwäsche bekleidete Leiche einer Frau. 

Daneben befand sich ein Strohhut mit roten Rosen.

Als der Goldarbeiter Karl Hornung in einer Zeitung von der Entdeckung der Leiche las, vermutete er, dass es sich um den Hut seiner verschwundenen Geliebten

Marie Hottwanger 


handeln könnte. 


Er fuhr nach Neulengbach und erkannte die Leiche als jene seiner Geliebten. 

Drei Wochen davor, am 2. Juli 1891, 

hatte Hornung seine Freundin zum 

 

Dienstvermittlungsbüro Meixner am Franziskanerplatz gebracht und im Gasthaus gegenüber auf sie gewartet. 


Kurz darauf hatte Marie in Begleitung einer Frau das Vermittlungsbüro verlassen. 
Die Frau hatte sich zuvor mit einem Mann am Nebentisch unterhalten. Dann hatte sie das Gasthaus mit Marie Hottwanger in Richtung Kärntner Straße verlassen.

Der Mann war den beiden in kurzem Abstand gefolgt. 

Karl Hornung war die Situation eigenartig vorgekommen; er war aber im Gasthaus sitzen geblieben, weil er nicht gewollt hatte, dass die möglichen neuen Dienstgeber wissen, dass Marie einen Freund hatte. 


Seither war Hottwanger verschwunden. Hornung gab bei der Polizei eine Beschreibung des Mannes und der Frau ab. 
Marie Hottwanger war das zweite Mordopfer von Franz und Rosalia Klein. Das erste Mordopfer Rosalie Kleinrath wurde erst viel später gefunden.


Am 8. Juli 1891 geriet ein weiteres 

Dienstmädchen in die Fänge des Ehepaars

Schneider. Es handelte sich um 

Friederike (Frieda) Zoufar,


die kurz zuvor von Hermannstadt in Siebenbürgen nach Wien gekommen war. Rosalia Schneider gaukelte dem Mädchen vor, es könne eine glänzende Stelle als Stubenmädchen in einer Neulengbacher Villa annehmen. Zoufar ließ sich überreden, packte ihr Geld und ihre Wertsachen in eine Tasche und ging mit dem Ehepaar Schneider mit. 

In einem Wald schlug Franz Schneider die junge Frau nieder, warf sich auf sie und erwürgte sie. Wieder entkleidete er die Leiche, um eine Identifizierung des Opfers anhand ihrer Kleidung zu erschweren. Schneider schleppte die Leiche in ein Gestrüpp und nahm die Tasche der Toten mit den Wertsachen mit.

 

Das Mörderpaar verbrachte die Nacht im Wald. Am nächsten Tag sandte Schneider in Neulengbach unter dem Namen von Zoufar ein Telegramm an die Quartiergeberin des Mordopfers, mit dem Ersuchen, die persönlichen Gegenstände Zoufars an die neue „Hausmeisterin“ zu übergeben. 

Als „Hausmeisterin“ erschien Rosalia Schneider. Sie erhielt Zoufars Koffer mit den Habseligkeiten und einen Reisekorb. Franz und Rosalia Schneider machten die Beute zu Geld, mieteten das Zimmer in Wien-Rudolfsheim und kauften Möbel.

Gendarmen, Forstleute und Bewohner durchstreifen am 17. und 18. August 1891 mit Hunden die Wälder bei Neulengbach, um das Mordopfer des Ehepaars Schneider zu finden. 600 Helfer beteiligten sich an der Suche. 

Die Leiche von Frieda Zoufar wurde erst am 15. November 1891 im Wald entdeckt.

Franz und Rosalia Schneider dürften weitere Dienstmädchen in Raubabsicht ermordet haben, aber diese Taten ließen sich nicht anklagereif nachweisen. 

Anna Djuris


Franz Schneider bewog es auf ähnliche Weise wie bei Johanna Stoiber, ihm nach Neulengbach zu folgen. In Neulengbach wollte er sie in den Haspelwald locken, allein da es schon finster war und sie sich fürchtete, weigerte sie sich ihm zu folgen, und sie übernachteten zusammen in einem Wirtshaus in Neulengbach. Während der Nacht versuchte Schneider das Mädchen zu würgen und gegen sie Gewalt anzuwenden. Sie wehrte sich mit allen Kräften und zerkratzte ihm das Gesicht und er ließ von ihr ab. Da sie kein Geld bei sich hatte das er an sich nehmen konnte, verließ er sie unter schrecklichen Drohungen, weil er sich fürchtete , ihr Geschrei könnte die Wirtsleute wecken.

An nächsten Morgen erstattete Anna Djuris Anzeige.

Die Beschreibung des Gewalttäters stimmte mit jener überein, die Karl Hornung abgegeben hatte. Ein Stammgast des Gasthauses in Neulengbach, in dem der Gesuchte das Dienstmädchen zu vergewaltigen versucht hatte, informierte die Gendarmerie, dass die Beschreibung auf den Knecht Heinrich Schneider aus Murstetten passe. Die Ermittler holten den Knecht zur Einvernahme; er kam aber als Täter nicht in Frage. Der Knecht hatte einen Bruder, der ihm sehr ähnlich sah und übel beleumundet war. Es handelte sich um Franz Schneider. Nun konzentrierte sich die Fahndung auf ihn und seine Frau Rosalia.

 

Franz Schneider wurde 1856 als Sohn eines Schuhmachers in Murstetten geboren. Die Schule besuchte er nur kurz und unregelmäßig. Er arbeitete als Hilfsarbeiter und Knecht und wurde mehrmals wegen Diebstahls und Betrugs zu Arrest- und Kerkerstrafen verurteilt. Seine um fünf Jahre ältere Frau Rosalia stammte aus Villach in Kärnten und arbeitete gelegentlich als Köchin.

 

Die Ermittler stellten fest, dass das Ehepaar Schneider unter den Namen Ferdinand und Rosalia Riedler ein kleines Zimmer in der Rudolfstraße (heute Johnstraße) in Wien-Rudolfsheim gemietet hatte. Bei der Durchsuchung des Wohnraums fanden die Polizeiagenten unter anderem Gegenstände aus dem Besitz von Hottwanger.

 

Franz und Rosalia Schneider wurden verhaftet. Im Polizeigefangenenhaus verübte die Frau einen Selbstmordversuch. Sie sprang aus dem dritten Stock in einen Lichthof, überlebte aber schwer verletzt.

 

Ein besorgter Vater führte zur Aufdeckung eines weiteren Mordes. 

Rosalie Kleinrath 


aus Wiesmuth in Niederösterreich war Dienstmädchen in Wien. Ihr Vater machte sich Sorgen, weil seine Tochter seine Briefe seit einiger Zeit nicht mehr beantwortet und er in der Zeitung über die Verhaftung des Ehepaars Schneider gelesen hatte. Er fuhr nach Wien und fand ihre Wohnung leer vor. Deshalb wandte er sich an die Polizei und entdeckte dort den Koffer seiner Tochter, der in der Wohnung des Ehepaars Schneider sichergestellt worden war. 

 

Franz Schneider hatte Rosalia Kleinrath bereits am 18. Juni 1891 auf der Straße angesprochen und ihr eine gut bezahlte Stelle als Dienstmädchen in Aussicht gestellt. Das 18-jährige, unerfahrene Dienstmädchen hatte den Versprechungen geglaubt, ihre Habseligkeiten bei ihrem Dienstgeber geholt und war mit dem Ehepaar mitgegangen. Franz Schneider hatte sie umgebracht, ihre Wertsachen gestohlen und den toten Körper in die Donau geworfen. Die Leiche dürfte bei Raggendorf (heute Rajka) in Ungarn angeschwemmt worden sein. Sie war das 1. Opfer von Franz und Rosalia Schneider. 


Tod durch den Strang.

Im Jänner 1892 begann die Schwurgerichtsverhandlung in Wien. 


Franz Schneider schob bei der Verhandlung die Hauptschuld seiner Frau zu. Sie habe ihn schon 1889 verleiten wollen, ihre damalige Dienstgeberin zu ermorden und zu berauben. Er habe aber den Raubmord abgelehnt. Seine Frau sei auch die treibende Kraft bei den Dienstmädchenmorden gewesen. Sie habe ihm ein Fläschchen mit einer Flüssigkeit gegeben, um die Opfer zu betäuben. Rosalia Schneider wies die Vorwürfe ihres Mannes entrüstet von sich. 

 

Franz Schneider wurde am 29. Jänner 1892 vom Geschworenengericht wegen dreifachen meuchlerischen Raubmordes an Marie Hottwanger, Rosalia Kleinrath und Friederike Zoufar, sowie wegen versuchter und vollendeter Vergewaltigung („Notzucht“) zum Tod durch den Strang verurteilt. 

 

Seine Frau Rosalia erhielt wegen Mitschuld an zwei Morden und Teilnahme an der Beraubung eines Mordopfers ebenfalls die Todesstrafe. Der Oberste Gerichtshof verwarf die Nichtigkeitsbeschwerden. Kaiser Franz Joseph begnadigte – wie bei Frauen in der ausgehenden Monarchie fast immer üblich – Rosalia Schneider und die Todesstrafe wurde bei ihr in lebenslangen Kerker umgewandelt. Die Verurteilte wurde am 26. März 1892 zur Strafverbüßung in die „Weiberstrafanstalt“ Wiener Neudorf gebracht. 

Franz Schneider trat am 17. März 1892 in der Früh den Gang zur Hinrichtung an. Sein Wunsch, noch einmal mit seiner Frau zu sprechen, wurde von ihr brüsk abgelehnt. 

Er verabschiedete sich von seinem Bruder Heinrich und gegen sieben Uhr endete sein Leben auf dem Würgegalgen. 

Ein Gipsabdruck des Schädels des Serienmörders befindet sich im Wiener Kriminalmuseum. 

Im September 1901, im Spital der 

Frauenstrafanstalt in Wiener Neudorf 

ist die zu lebenslänglicher Kerker-

haft verurteilte 

Rosalia Schneider


 im Alter von 50 Jahren verstorben.

 

 

 

 

 

Quelle: bmi.gv.at/Kriminalgeschichte

Taufbucheintrag von Franz Schneider, Pfarrkirche Murstetten

Zeitungsbericht vom 08.07.1923