Jahrgänge 1908-1911 werden zur
SA Ausbildung einberufen
Ausgabe vom 02.05.1940
SA-Wehrmannschaften— vormilitärische Ausbildung. Laut Erlaß des Stabschefs der SA und auf Wunsch des Gauleiters haben die
Angehörigen der Jahrgänge 1908, 1909, 1910 und 1911
sowie die politischen Leiter eine militärische Ausbildung in der SA-Wehrmannschaft mitzumachen. Die Ausbildung der Ortsgruppen
Böheimkirchen, Kasten, Stössing, Michelbach, Murstetten und Pyhra obliegt dem Sturm 4/21 der SA. Zu diesem Zwecke finden monatlich mehrmals Appelle statt, in denen die Ausbildung im Exorzieren, Geländedienst, Handgranatenwerfen, Schießwesen und Felddienst erfolgt.
Obstbauverein
Ausgabe vom 17.10.1940
Garten- und Obstbauverein Murstetten-Thalheim.
In zwei Vorträgen hat der Kreisobstbauinspektor Brezina über die Grundlagen des
Obstbaues, Baumpflege und Schädlingsbekämpfung so anschaulich gesprochen, daß sich für den neu zu gründenden Verein 69 Mitglieder gemeldet haben. Altbürgermeister Johann Gräll und Gärtner Pastrihac haben sich bereit erklärt, die Führung des neuen Vereines zu übernehmen,
dessen Arbeitsausschuß auch schon gebildet ist und der am Sonnabend den 12. Oktober seine erste Tagung hatte. Möge auch unsere Jungmannschaft, die ja die Früchte dereinst (wörtlich
genommen) genießen wird, sich mit regem Eifer der wichtigen Sache widmen!
Versammlungen, Filmeabende der NSDAP
auch in Murstetten
Ausgabe vom 19.02.1942
Ausagabe vom 26.02.1942
Obergefreiter Karl Kos
Ausgabe vom 02.07.1942
Murstetten
Stärkung der Heimat ist es jedesmal, wenn unsere Kameraden von der Front auf Urlaub kommen und den Zuhausgebliebenen von ihrem Einsatz und ihren Leistungen erzählen. Sie machen nicht viel Worte darüber, denn es ist nicht Soldatenart, viel zu sprechen. Aber das wenige, das sie sagen und erzählen, wiegt mehr als lange Reden. Besonders ergriffen aber hat uns
die Haltung unseres Kameraden, des
Obergefreiten Karl Kos,
als wir die Freude hatten, ihn anläßlich seines Urlaubes bei uns begrüßen zu können.
Zwölf Granatsplitter hat er im Knie, aber ungebrochen ist seine Siegeszuversicht. Auch um die Zukunft ist ihm keineswegs bang.
Er weiß, daß er seinen Beruf in der Landwirtschaft nicht mehr ausüben kann, er weiß aber auch ebenso gut, daß er für einen anderen Beruf umgeschult wird und wieder auf irgendeinem Platze ein vollwertiges Glied der Volksgemeinschaft sein wird.
Landw. Berufsschule Murstetten
Ausgabe vom 05.11.1942
Murstetten
Landwirtschaftliche Berufsschule.
Der Reichsstatthalter in Niederdonau hat in Murstetten als Mittelpunkt für die Gemeinden Würmla, Murstetten, Thalheim und Weißenkirchen eine
landwirtschaftliche Berufsschule errichtet, die von unseren 14- bis 18jährigen Jungbauer besucht und von Ing. Anton Löschnigg geleitet wird.
...
Mit Freuden ergreifen die Bauern und insbesondere unsere Jugend die dargebotene Gelegenheit, durch Fortbildung und Eindringen in die bäuerliche Weltanschauung unserer Voreltern dazu beizutragen, daß die geringschätzige Meinung, die mancher Städter vom Bauern hatte, endgültig
verschwindet.
Aus vollem Herzen rufen wir daher unserer bäuerlichen Jugend anläßlich der Eröffnung dieser Schule zu: »Glück auf, ihr Jungmannen!"
Telefonbuch von 1943
Bild von Adolf Geritzer
Bild von Adolf Geritzer
Schriftstück von Schulleiter Halbwidl über die Kriegsereignisse in Murstetten
Am 15.05.1943 wurde der 1934 pensionierte Oberlehrer Julius Ortmann wieder eingestellt und mit der Leitung der Schule betraut.
Oberlehrer Ortmann der illegaler Ortsgruppenleiter der NSDAP in Murstetten gewesen war und 1938 offiziell Ortsgruppenleiter und für kurze Zeit sogar Gemeindeverwalter von Murstetten geworden war, hatte nun sein Ziel erreicht und Oberlehrer Martin Binder aus Murstetten verdrängen können.
Am Foto Oberlehrer Ortmann
Die beiden Oberlehrer hätten seit 1939 nicht im besten Einvernehmen in der Gemeinde gearbeitet. Jeder hatte für seine Interessen Anhänger unter der Bevölkerung geworben und damit das Ansehen des Lehrstandes schwer geschädigt. ( Das spürt man auch jetzt noch, da die Leute der Meinung sind, sie könnten mit den Lehrern umspringen wie es ihnen gerade paßt!)
Oberlehrer Binder wurde nach Kapelln abgeordnet, wohnte aber weiterhin im Schulgebäude in Murstetten und fuhr täglich mit dem Autobus nach Kapelln. ( Er kam daher täglich zu spät zum Unterricht - war Fliegeralarm, gab es dann überhaupt keinen Unterricht)
Am Foto Oberlehrer Binder
Am 23.08.1943 wurde die im Jahre 1938 zwangspensionierte Lehrerin Maria Hajek als Vertragslehrerin in Dienst gestellt.
Oberlehrer Julius Ortmann hatte bis Schulschluß beide Klassen geführt (Frau Hajek war wegen ihrer katholischen Einstellung im August 1938 pensioniert worden.)
Frau Hajek führte auch die Kartenstelle der Gemeinde.
Der Bürgermeister Ignaz Kurzbauer, Schuhmachermeister in Murstetten, hatte schon lange erkannt, daß die Lehrerin eine gewissenhafte und tüchtige Arbeitskraft ist und war.
Am Foto Lehrerin Maria Hajek
Am 28.08.1943 begann das Schuljahr 1943/1944.
Die 1. Klasse führte Maria Hajek, die 2. Klasse Oberlehrer Ortmann.
Handarbeitslehrerin war Maria Mock.
Gewissenhaft hat Oberlehrer Ortmann die "Mischlinge" im Hauptbuch vermerkt.
Er war Nationalsozialist aus Überzeugung.
Die fast pausenlosen Luftangriffe auf die Industriegebiete und auf Wien erforderten Umquartierungen von Kindern.
So kamen dann aus Essen (Ruhrgebiet) und aus Wien Familien mit ihren Kindern und auch Kinder alleine nach Murstetten.
Die Heilkräutersammlungen, Sammlungen von Lumpen, Altpapier, Metall wurde stark forciert. Die Schuljugend musste ihre ganze Freizeit und teils auch die Unterrichtszeit opfern.
Das Schuljahr 1944/45 begann am 28.08.1944.
Die 1. Klasse führte wieder Frau Maria Hajek, die 2. Klasse Herr Oberlehrer Ortmann, Handarbeit Maria Mock.
Der Religionsunterricht fand (schon seit 1938) wohl noch in der Schule statt, doch mussten die Kinder hierzu schriftlich angemeldet werden.
Die Stunden waren am Ende der Unterrichtszeit angesetzt.
Der Religionslehrer Pfarrer Friedrich Raffetseder, hatte es nicht immer leicht, da die Kinder, die pflichtgemäß die Hitlerjugend besuchen mussten, dort aufgehetzt wurden, dem "Pfaffen" zuzusetzen.
Die Bombenangriffe wurden immer heftiger und der Flüchtlingsstrom schwoll an. Immer mehr "landverschickte" Kinder kamen nach Murstetten.
Bei einem "Notabwurf" von Bomben, die ein vom Jagdfieber verfolgter Bomber durchführte, fiel eine Bombe in den Wald oberhalb der Kirche und 3 Bomben schlugen im Acker der Frau Burger gewaltige Krater (Der Acker liegt bei der Abzweigung der Straße nach Gumperding am NO-Rand von Murstetten)
Der Luftdruck der Bombenexplosion bei der Kirche zertrümmerte die schönen, handgeschliffenen Kirchenfenster. Die Reste dieser Fenster liegen in einem der Bombentrichter - neben den Skeletten von Rindern und Pferden und Munitionsstücken, die im Sommer 1945 dort verscharrt wurden - des Burger-ackers.
Die Front rückte immer näher. Flüchtlinge kamen mit ihren auf Wagen verladenem Hab und Gut. Oberlehrer Ortmann war aber immer noch überzeugt "den Sieg in der Tasche" zu haben.
Rechnete er so wie Adolf Hitler, daß dem Krieg von der "Alpenfestung Österreich" aus wieder eine Wendung gegeben werden könne. Der Unterricht litt unter den dauernden Fliegeralarmen schwer.
Am 10. April 1945 rückten SS-Verbände, von Würmla kommend, in Murstetten ein.
Der Volkssturm wurde aufgeboten. Leute, die Zugtiere hatten, wurden aufgefordert Murstetten zu verlassen. Viele lassen sich bereden und fuhren nach Herzogenburg.
Dabei hatten sie noch Glück. Denn kaum waren sie in Herzogenburg, erfolgte ein Fliegerangriff. Wehe, wenn der sie auf offener Landstraße erwischt hätte.
Die SS begann sofort mit den Verteidigungsvorbereitungen. Im Haspelwald wurden Schützenlöcher ausgehoben.
Das Gasthaus Kerschbaum das leer stand, weil die Besitzerin Franziska Kerschbaum mit den 5 Kindern geflüchtet war, wurde zum Hauptverbandsplatz eingerichtet.
Franziska Kerschbaum mit den Kindern am Foto unten.
In der Schule wurden Mannschaften einquartiert. Diese warfen die Lehrmittel auf den Dachboden und aus den Lehrmittelstellagen machten sie Gewehrständer. Jeder suchte es sich irgendwie bequem zu machen.
Schon am Abend hörte man Gewehrfeuer aus dem Wald. Die Russen waren nachgerückt.
Am 11. April saßen die Murstettner, die nicht geflüchtet waren in den Kellern und warteten mit bangem Herzen. Die Russen hatten unterdessen auch leichte Geschütze eingesetzt. Mehrere Einschläge sind auch noch am Schulgebäude zu erkennen. Am meisten litt das Dach. Mehr als 3/4 aller Fensterscheiben des Schulhauses gingen in Scherben.
Beim Nachbarhaus der Schule (Schwendt) ging eine Granate neben dem Haustor in den Keller. Die im Keller sitzenden Leute hatten Glück. Das Geschoß explodierte nicht. Dieser Blindgänger wurde dann mit einem Ochsen in den Bombentrichter des Burger-ackers geschleift und auch dabei detonierte er nicht.
Haus der Familie Schwendt unten am Foto.
Von Zeit zu Zeit hörte man Gefechtslärm.
Am frühen Morgen des 12.4.1945 beerdigte die SS in aller Güte am Friedhof ihre Toten. Von militärischen Ehren bei der Beisetzung war keine Rede. Nicht einmal die Namen der Gefallenen wurden vermerkt.
Dann begann die SS zu plündern. Das Geschäft des Ortes (Brenner) wurde aufgebrochen und alles was begehrenswert schien auf die Lastkraftwagen aufgeladen.
Kaufhaus Brenner an der Ecke am Foto unten.
Nach 12 Uhr mittags rückte die Truppe über Winkling nach Böheimkirchen ab.
Am Vormittag des 12.04.1945 war Oberlehrer Martin Binder mit seiner Familie geflüchtet. Etwas später requirierte Oberlehrer Julius Ortmann ein Ochsengespann der Gutsverwaltung, belud es mit der Parteikasse ( Sammelgelder der Winterhilfe und des Eintopfsonntags) und seinen Habseligkeiten und flüchtete gleichfalls.
Oberlehrer Binder kehrte während der Ferien zurück. Oberlehrer Ortmann aber ließ nichts mehr von sich hören.
Für die Bevölkerung war der Krieg aber noch nicht zu Ende.
Um 3/4 2 Uhr nachmittags erschienen die ersten Russen. Sie kamen aus dem Haspelwald und versicherten sich erst, daß ihnen kein Hinterhalt gelegt war.
Die Leute kamen aus den Kellern heraus. Am Abend aber begann das Inferno. Die Sieger feierten.
Frauen wurden vor den Kindern vergewaltig, es wurde geschossen und geplündert.
Mutwilligerweise wurden Rinder und Schweine erschossen. Niemand durfte sich von den Tieren Fleisch nehmen.
Sie wurden im Bombentrichter eingegraben.
Auf der Straße hatten mehrere Soldaten ein wohl geistig nicht sehr hoch stehendes Mädchen gelagert und vergewaltigten es der Reihe nach. Die Schulbuben standen ringsum und schauten zu. Ein grauslicher Anschauungsunterricht. Diese Buben erzählten später noch voll
Stolz ihre Erlebnisse.
Arg trieb es ein Russe mit dem Ortspfarrer, Hochwürden Rafetseder, dem er immer knapp am Kopf vorbeischoß.
Am Foto Pfarrer Friedrich Rafetseder
In der Schule wurden die Türfüllungen eingetreten, da man überall Verstecke mit Uhren und Schmuck vermutete. Manche Russen hatten ihre Arme mit Reihen von Uhren verziert.
Auch im Gumperding, Gottlosberg und Obermoos saßen die Einwohner in den Kellern. Arg wurde Obermoos betroffen, da es mehrmals den Besitzer wechselte. Die empörten Russen zerstörten dabei vom Haus Nr. 1 (Gräll) die Scheune, von Haus Nr. 2 (Datzinger) das Wohnhaus und von Haus Nr. 4 (Gassner) Scheune und Schuppen.
Ein betrunkener Russe zündete das Haus Gottlosberg 3 (Steinmetzger) an. Da sich niemand herauswagte, brannte das Gehöft vollständig nieder.
Gunnerdorf, Winkling und Thalheim wurden von den Kampfhandlungen verschont. Sie erlebten den "Zauber der Befreiung" erst am 13.04.1945.
Noch immer standen viele Häuser leer, da die Bewohner geflüchtete waren.
Diese Wohnungen wurden nicht nur durch die Russen sondern auch durch Einheimische geplündert. Manche Menschen glaubten wahrscheinlich, daß der Weltuntergang da sei.
Zwei Heimkehrer ereilte in der Heimat der Tod.
Als der Kampfeslärm in Gumperding verstummt war, versuchte der heimgekehrte Sohn des Bauern Franz Breitner, Josef, ins Nachbarhaus zu kommen. Ein russischer Soldat verstand falsch und erschoss ihn.
Das zweite Opfer war der einzige Sohn des Bauern Michael Heidecker in Winkling.
Die Russen requirierten in den nächsten Tagen Rinder und Pferde und ließen sie unter Bewachung von Einheimischen nach Osten treiben.
Michael Heidecker war als Viehtreiber von einem Russen eingeteilt worden.
Heidecker versuchte zu flüchten. Der Russe schoß ihm nach und traf ihn tödlich.
Die Leiden der Bevölkerung wurden erst am 8.-9. Mai 1945 gemildert, als die Besatzungssoldaten abzogen. Vereinzelte Plünderer erschienen aber noch oft.
Die Not war groß. Die Ställe waren leer. Die Felder nur zum Teil bestellt. Langsam kamen zwar viele Flüchtlinge zurück.
Einige waren bis Vorarlberg gekommen (Frau Kerschbaum mit den Kindern), doch konnten viele Betriebe mangels an Zugtieren nicht weiter.
Die Bundesregierung in Wien, die die alte Verfassung aus den Zwanziger-Jahren wieder in Kraft gesetzt hatte war zwar eifrig bemüht, die Landwirtschaft in Schwung zu bringen, doch ging das naturgemäß nur langsam.
Die Reichsmark wurde wieder durch den Schilling ersetzt. Man bekam jedoch sehr wenig dafür.
Die Lehrer erhielten einheitlich monatlich 150 Schilling (Wie wenig das war, möge man erkennen aus der Tatsache, daß 100 Blättchen künstlicher Süßstoff im Schleichhandel 100 Schilling kosteten)
Die Lebensmittelversorgung, die bis zum Einzug der Russen funktioniert hätte, brach völlig zusammen (Nicht einmal die Hälfte der Rationen vor 1945 konnte ausgegeben werden.
Eine Besserung trat erst ein, als Hilfslieferungen aus aller Welt eintrafen.
An Stelle der NS-Verwaltung war unterdessen die österr. Verwaltung eingerichtet worden.
Bürgermeister von Murstettern war wieder wie vor 1938, Herr Johann Gräll aus Gunnersdorf.
Die Lehrerin Frau Maria Hajek, die nun alleine war (Ortmann und Binder hatten Murstetten verlassen) begann am 08. Juni 1945 wieder mit dem Unterricht.
In aller Eile war das Schulhaus gereinigt worden (Die Klassen hatte man auch als Abort benützt) und in einem Klassenzimmer hatte man die äußeren Fenster notdürftig geflickt.
Auf den Gängen zog es, da sämtliche Fensterscheiben zerbrochen waren.
Bilder und Landkarten waren nicht zu finden. Die hatten die Murstettner geholt und damit die Fenster in ihren Wohnungen zugenagelt oder zugehängt. Es war trostlos.
Frau Hajek unterrichtete 4 Tage die 1. Klasse und 2 Tage die 2. Klasse.
Noch während der Ferien mußten die Büchereien von Werken mit nationalsozialistischem Gedankengut gesäubert werden.
Gleichzeitig erschienen Richtlinien für die Unterrichtsgestaltung und die Konferenzen.
Ab August 1945 erschien wieder das Verordnungsblatt des Landesschulrates für NÖ.
Am 05.08.1945 konstituierte sich in Murstetten der Ortsschulrat:
Obmann: Bgm. Johann Gräll, Gunnersdorf
Stellvertreter: Anton Mengl, Murstetten
Mitglieder:
Karl Auer, Winkling
Michael Haumberger, Thalheim
Josef Klaus, Murstetten
Josef Klaus, Thalheim
Georg Vogl, Gottlosberg
Ortsschulaufseher: Josef Pötschner, Gumperding
Weiters sind der Pfarrer und Schulleiter Mitglieder des Ortsschulrates.
Alle Staatsangestellten (dazu gehörten auch Lehrer) mussten Fragebögen über ihre Zugehörigkeit zur NSDAP ausfüllen.
Auf Grund der Zugehörigkeit zur NSDAP wurde Herr Oberlehrer Martin Binder am 31.08.1945 als Oberlehrer bzw. Schulleiter enthoben.
Das Schuljahr 1945/46 begann am 10.09.1945. Frau Lehrerin Maria Hajek unterrichtete beide Klassen, Handarbeitslehrerin war Maria Mock. Religionslehrer war Hochw. Friedrich Rafetseder.
Im Schulbetrieb gab es große Schwierigkeiten. Die Kinder schreiben in alten Heften auf Packpapier. Die 1. Klasse hatte 4 Tage, die 2. Klasse 2 Tage wöchentlich Unterricht. Die Buben der 2. Klasse waren schwer zu behandeln. Sie hatten zuviel erlebt.
Durch einen Erlass zu Beginn des Schuljahres werden die Ortsschulräte verpflchtet für die Verpflegung der Lehrkräfte zu sorgen, da mit den zugeteilten Lebensmitteln nicht das Auslange gefunden werden konnte. Um die Lehrerschaft im demokratischen Geist zu schulen (Umschulung) wurden die Lehrerarbeitsgemeinschaften geschaffen.
Im Oktober 1945 sammelten die Schüler Hagebutten (getrocknet 9kg) zur Gewinnung von Vitamin C.
Auf Drängen der Lehrerin Maria Hajek betraute am 30.10.1945 der Bezirksschulrat St. Pölten, den provisorischen von Stollberg, Bez. St. Pölten, Johann Halwidl mit der Leitung der Volksschule Murstetten.
Von April bis September diesen Jahres war dieser noch in russischer Gefangenschaft.
Am Bild Schulleiter Halbwidl
Frau Hajek übergab mit Freuden die 2. Klasse.
Vorerst musste der 2. Klassenraum erst hergerichtet werden. Im Schulhaus fehlten noch fast 100 Fensterscheiben. Notdürftig wurden die Schäden des Daches ausgebessert.
Da Oberlehrer Binder noch in der Leiterwohnung wohnte, musste der neue Schulleiter in die leerstehende Wohnung des Gasthauses Kerschbaum einziehen.
Am 17.11.1945 wurde der zweiklassige Betrieb aufgenommen.
Immer wieder kamen Flüchtlinge zurück.
Ab September wurden die Bezüge der Lehrer auf 80% des Aprilbezuges und November auf 100% des Aprilbezuges erhöht.
Die Schülerunfallversicherung wurde am 01.12.1945 wieder in Kraft gesetzt.
In dieser trostlosen Situation wurde mit den Kindern ein Krippenspiel einstudiert. Die Feier fand am Sonntag vor Weihnachten im Saale des Gasthauses Kerschbaum statt. Außer den Eltern der Kinder waren nur wenige Gäste erschienen.
Im Jänner 1946 erschien wieder das Verordnungsblatt des Bundesministeriums für Unterricht.
Ab Februar 1946 hierlt Frau Lehrerin Hajek für die Mädchen der Oberstufe Unterricht in Hauswirtschaft.
Da die Schulbücher aus der NS-Zeit weiter verwendet werden mussten, da an die Neuauflage von Schulbüchern nicht so rasch zu denken war, mußten die NS-Hoheitszeichen unkenntlich gemacht werden.
Am 16.01.1946 fand in Böheimkirchen die erste Lehrer-Arbeits-Gemeinschaft statt. Die Zusammenkünfte sollen nun regelmäßig stattfinden.
Da noch viele Lehrer sich in Kriegsgefangenschaft befinden und man ihre Heimkehr betreiben möchte, mußten die Namen und wenn möglich auch ihre bekanntgegeben werden.
Bei uns würden sie dringend gebraucht, da noch viele Klassen zu eröffnen sind.
Um einen Überblick über die Kropfbildungen zu erhalten, wurden sämtliche Schulkinder Österreichs auf Kropfbildung untersucht (Mangelernährung).
Bei der Untersuchung der Schüler von Murstetten wurden zahlreiche "Ansätze" von Kröpfen festgestellt.
Die Untersuchung führte Herr Gemeindearzt Dr. Satzinger aus Würmla durch.
Zur Erinnerung an die Befreiung im Jahre 1945 wurden in allen Schulen am 13.04.1946 Befreiungsfeiern abgehalten.
In einem demokratischen Gemeinwesen wählt das Volk seine Vertreter. Die Gemeinderäte wurden 1945 einfach bestellt. Nun wurde am 20.04.1946 durch Wahl der Bürgermeister bestimmt.
In Murstetten trat keine Veränderung ein.
Herr Gräll blieb Bürgemeister.
Am 08.05.1946 veranstaltete die Besatzungsmacht Siegesfeiern, zu der auch die österreichische Bevölkerung eingeladen war.
Zur Förderung des Unterrichtes wurden 42 Wandbilder angekauft.
Der Leiter der Schule hatte sie beim Verlag für Jugend und Volk in Wien aufgetrieben. Um nach Wien reisen zu können musste man zu Fuß nach Neulengbach gehen, oder in Perschling mit einem "Anhalter" fahren.
Das war nicht nur umständlich sondern auch gefährlich!
In der letzten Unterrichtsstunde des 26.06.1946 wurde eine Schulfeier zum "Tag der vereinten Nationen" abgehalten.
Das Schuljahr 1945/46 schloß am 28.06.2046. Wir besuchten den Gottesdienst, dann wurden die Zeugnisse verteilt.
Ein Erlaß von 17.07.1946 ordnete an, daß in jeder Schulklasse ein Kreuz anzubringen sei. Wir machten das schon am bzw. seit Schulanfang. Die Schule erhielt leihweise durch die Bezirkshauptmannschaft St. Pölten das
Rundfunkgerät des geflüchteten Oberlehrers Ortmann. (Beschlagnahmt gewesen durch die Gemeinde)
Am 28.08.1946 mußten neuerlich Fragebögen über die Zugehörigkeit zur NSDAP ausgefüllt werden.
Alle Schulen wurden am 22.08.1946 aufgefordert, die notwendigen Heizmaterialien schon jetzt einzulagern. Schulen mußten bevorrangt beliefert werden.
Zusammenschrift über die Kriegsereignisse 1944-1946
Zur Verfügung gestellt vom Kurator des Heimatmuseums Perschling Gerhard Weninger.
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