Kriegerdenkmal - Weihe
01. Juli 1923
Murstetten. (Kriegerdenkmalweihe) Dank der
Opferwilligkeit der Pfarrgemeinde und der Rührigkeit des
Kriegerdenkmal-Ausschusses mit seinem Obmanne Herrn
Mengl an der Spitze ist es nunmehr auch hier gelungen, den
gefallenen Kriegern ein schönes und würdiges Denkmal zu
errichten. Sonntag den 1, d. M. war der Tag der Enthüllung
und kirchlichen Einweihung des Denkmales. Schon am frühen
Morgen verkündeten die Klänge der Kriegervereinskapelle
Atzenbrugg sowie das Dröhnen der Pöller, daß ein großer
Tag für Murstetten gekommen sei. Der Ort war festlich beflaggt
und geschmückt. Um 3 Uhr hielt ein Pater aus St. Gabriel
bei Mödling, der als Reichsdeutscher vor seiner Priesterweihe
den ganzen Krieg an der deutschen Front in Frankreich
zuerst als einfacher Soldat, sodann als Kommandant eine
Maschinengewehr-Abteilung mitgemacht hat und für seine
Tapferkeit mit dem eisernen Kreuze ausgezeichnet wurde, eine
Feldmesse mit Predigt, in der er zeigte, was die gefallenen
Krieger uns lehren über das Diesseits und Jenseits. Besonders,
empfahl er, die Soldatentugenden, die sich im Kriege so
bewährt haben, den Geist der Kameradschaft und den Gehorsam
auch jetzt im Frieden zu üben. Mit dem Hinweise auf die
trostvolle christliche Lehre von der Unsterblichkeit der Seele und
ja einigen Auferstehungen schloß der Prediger seine Worte, die
von tiefer Wirkung waren. Während der Messe spielte die
Kapelle ein Meßlied, nachher das „Gebet während der Schlacht".
Nachmittags hielt Hochw. Herr Dechant Edinger nach dem heiligen
Segen das Libera für die Gefallenen. Beim Kriegerdenkmale
begrüßte zunächst Herr Mengl namens des Denkmalausschusses
die Geistlichkeit, die erschienenen Körperschaften und Vereine
sowie die übrigen Festgäste, die sich in ganz außergewöhnlich
großer Anzahl aus nah und fern eingefunden hatten. Wie bei
der Feldmesse beteiligten sich unsere Heimkehrer und die
Angehörigen der Gefallenen auch an der nachmittägigen Feier.
Nachdem die Musikkapelle das Lied "Vater, ich rufe dich" gespielt hatte, fiel auf das Geheiß des Obmannes des Denkmalkomitees die schwarze Hülle des Denkmales, worauf ein Männerquartett unter Leitung des Herrn Oberlehrers Ortmann einen Chor wirkungsvoll vortrug. Herr Dechant
Edinger nahm sodann die kirchliche Einweihung des Kriegerdenkmales
vor und hielt hieraus mit mächtiger Stimme, die
auch dem Ohr der Fernststehenden deutlich vernehmbar war,
unter gespannter Aufmerksamkeit der Versammelten die Festrede.
Er wies hin auf die wehmütige Stimmung, die über dem Feste
liege und keine ungetrübte Festfreude aufkommen lasse. In
geistreicher Weise knüpfte er seine Ausführungen an an des
Dichterwort vom dreifachen Schritt der Zeit. „Ewig still steht
die Vergangenheit." Immer soll aber auch bleiben unsere
Erinnerung an die Heldentaten der Vergangenheit, der Anblick
des Kriegerdenkmales mit den Namen der Gefallenen soll diese
Erinnerung immer wieder in uns wachrufen. Nach einem stillen
Gebete für die verstorbenen Krieger trugen Frl. M. Gruber,
Fräulein Lehrerin M. Hajek und die Schülerin H. Kurzbauer
passende Festgedichte vor. Nun folgte wieder ein Männerchor,
worauf die Heimkehrer, die Gemeindevertretung, die marianische
Jungfrauenkongregation sowie die Angehörigen der gefallenen
Krieger Kränze und Blumensträuße am Denkmal niederlegten.
Sodann hielten Herr Hödl namens der Heimkehrer, Herr Nikl
namens des Kameradschaftsbundes Atzenbrugg, der eine stattliche
Vertretung gesandt hatte, Ansprachen, in denen sie rühmend
unserer toten Helden gedachten. Schließlich dankten Herr Mengl
als Obmann des Denkmalausschusses und Herr Bürgermeister
Bittner allen Festteilnehmern sowie allen denen, die sich um die
Feier irgendwie besonders verdient gemacht haben. Ergänzend
sei noch bemerkt, daß außer den Feuerwehren von Thalheim
und Murstetten auch die der Nachbarschalt zahlreich vertreten
waren; auch der Burschenverein von Würmla nahm mit der
Fahne an der Feier teil. Dankbar sei zum Schluße gedacht
allen Spendern, die durch ihre Gaben die Anschaffung des
Denkmales ermöglichten, ferner der Fuhrwerksbesitzer, die die
Schotterfuhren zum Unterbau des Denkmales und für den
Kirchenplatz umsonst besorgten, sowie der Arbeiter, die die
Vorarbeiten kostenlos leisteten, endlich auch der marianischen
Jungfrauenkongregation, die sich bei den Dekorationsarbeiten
und beim Verkaufe der Festabzeichen hervorgetan hat. Den
Abschluß der so herrlich verlaufenen und vom prächtigsten
Wetter begünstigten Festfeier bildete ein Gartenkonzert und ein
Feuerwerk, das abends abgebrannt wurde. Das Fest ist vorüber,
aber das Denkmal wird noch unseren fernen Nachkommen
künden, daß wir unsere toten Helden zu ehren wußten.
Bild zur Verfügung gestellt von:
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Bilder zur Verfügung gestellt von Sonja Schwarz