Quelle:
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Ganz Gunnersdorf niedergebrannt
und geglückte Menschenrettung
am 08.09.1868
Ausgabe vom 17.09.1868
Zu der schon gemeldeten Feuersbrunst, welche am 8. d. in dem niederösterreichischen Orte Gunnersdorf, Gemeinde Murstetten ausbrach und den ganzen Ort bis auf ein Haus eingeäschert hat, werden uns noch über eine kühne Lebensrettung folgende Details gemeldet:
Ein Mann, der in dem Orte einem Freund zu Hilfe eilte, wagte sich zu sehr in die Gefahr des Feuers und wurde bald vermisst.
Kein Mensch getraute sich in die Nähe des fürchterlich brennenden Hauses, ja selbst die Feuerspritzen von Weißenkirchen und Murstetten kamen vor Hitze und Rauch nicht zu dem Hause.
Dies hörten nun Leopold Stöckl und Josef Weigl, beide Wirtschaftsbesitzer von Murstetten, und durch Rauch und brennende Trümmer stürzen beide sich in das Haus, wo Herr Mandl, so hieß der Vermisste, sein sollte.
Sie durchsuchten alle Gemächer, bis sie den Vermissten in der Küche im Backofen, wo er sich zu schützen suchte, fanden;
Sie zogen ihn heraus, nahmen ihn unter die Arme und mit raschen Sätzen ging`s wieder aus den brennenden Trümmern heraus.
Mandl war gerettet durch den Mut der braven Männer, um die sich nun Alles, ihnen herzlich dankend drängte.
4 neue Kirchenglocken nach Brand
08.10.1868
Aus Murstetten, Bez. Atzenbrugg wird uns geschrieben:
Die hiesige Pfarrgemeinde feierte unter den vielen Unglücksfällen, welche sie schon sein einer Reihe von Jahren getroffen hatten,
am 03. Oktober auch einen freudvollen Tag, da an demselben die von dem Hochw. Bischofe von St. Pölten am Tage vorher geweihten 4 neuen Kirchenglocken, welche die Namen "Erlöser, Johannes Evangelist, Maria und St. Michael" erhielten, im feierlichen Zuge, mit Blumen und Reisig bekränzt, in Begleitung einer zahllosen Menschenmenge, unter den Klängen der Musik und unter Böllerschüssen im Pfarrorte eingeführt und sogleich aufgezogen wurden. -
Es ist nicht zu wundern, das an diesem Tage die ganze Gemeinde freudig erregt war, da sie schon zwei Mal in diesem Jahrhunderte ihrer Kirchenglocken durch Brandunglück beraubt worden war.
Das erste Mal, uns zwar im Kriegsjahre 1809, schleuderten Napoleons Horden, welche in unserm schönen Vaterlande mit barbarischer Rohheit hausten, die Brandfackel in das friedliche Dorf, wobei das gräfliche Althann`sche Schloß samt dem altehrenwürdigen Gotteshause mit einem der schönsten Geläute, welches deswegen im Volksmunde das Silbergeläute hieß, zerstört wurde.
Schmerzlich vermißte die Gemeinde ihre Glocken bis zum Jahre 1822, wo sie mit neuen versehen wurde.
Und abermals brach ein Unglückstag heran der 17. Mai 1864, wo eine wütende Feuersbrunst 12 Häuser samt Schule und Pfarrhof in Asche legt und auch den Kirchenturm ergriff, wo wieder die Glocken samt der Uhr zu Grunde gingen. Doch diesmal durfte die Pfarrgemeinde nicht so lange der Zierde ihrer Kirche entbehren, dadurch die Bemühungen ihres verdienstvollen und bescheidenen Ortsseelsorgers, der über 1/4 Jahrhundert die Leiden und Freuden seiner Pfadfinder
teilte, durch die vielen Geldopfer, welche die Mitglieder der religiösen Gemeinde, Reich und Arme brauchten, durch die ansehnlichen Gaben auswärtiger Gutthäter es möglich gemacht wurde, aus der rühmlich bekannten Glockengießerei des Hrn. Joh. Hilzer in Wr. Neustadt 4 Glocken im Gewichte von 15 Tonnen mit herrlichem, harmonischen Klange anzuschaffen. Sie wurden von dem Hr. Zimmermeister in Murstetten unter passenden religiösen Sprüchen und Wünschen ohne allen Unfall Abends 5 Uhr aufgezogen. Darauf hielt der hochw. Herr Ortspfarrer in der Kirche eine sinnreiche Anrede, forderte die Pfarrkinder zum Danke gegen den Allerhöchsten und gegen die vielen Wohltäter auf, die ihnen die heutige Freude bereiteten. dann folgt der heil. Segen samt Le Deum. Als man aus der Kirche trat, ließ man den Schall jeder einzelnen Glocke vernehmen, bis das gesamte Geläute mit mächtigen Klange ertönte und die ebernen Zungen die die Berge und die Ebene das Lob Gottes und die Freude eines katholischen Christenvolkes hinaustrugen. Es war in rührender Anblick, wie zum ersten Male wieder bei dem hellklingenden Angelusgeläute die Anwesenden ihrer Häupter entblößten und unter Freudentränen den Engelsgruß anstimmten.
Kaiser spendet für Kirchenglocken
30.10.1868
Wien, 29. Oktober.
Unsere Majestät der Kaiser (Kaiser Franz Joseph I. ) haben der Pfarrgemeinde Murstetten in Niederösterreich zur Anschaffung eines Kirchengeläutes einen Beitrag von dreihundert Gulden aus Allerhöchster Privatkasse allergnädigst zu spenden geruht.
Franz Joseph I. (1848–1916)