Goldburg


Woher kommt dieser Text ???


Anna von Heizing war die Besitzerin der Burgen Heizing und Muristetin.

1526 heiratete sie den schwäbischen Ritter Wolfgang Althan und brachte somit die Burgen Muristetin und Heizing in die Ehe ein.

1529 wurde die "Burg Muristetin" bei der ersten Türkenbelagerung zerstört.
 
1580 begann der Sohn von Anna von Pötting und Wolfgang Althan, Christoph Althan als Thronfolger unterhalb der Pfarrkirche mit dem Bau einer neuen Burg, der "Goldburg" im Stil der italienischen Renaissance.
 (Murstetten II)

Um 1580 übersiedelten die Althan von ihrem ehemals neben der Kirche stehenden Sitz in das neue Schloß.

Wie kam es zu dem Namen "Goldburg"

 

Bild zur Verfügung gestellt von Adolf Geritzer 


Im Schloßgarten befand/ befindet sich eine künstliche Grotte, wo ein steinerner Hund von ziemlicher Größe auf einer Art Kasten lag, wovon die Sage geht: Dass einst ein Hund hier einen verborgenen Schatz entdeckte, welcher aus einer mit Gold gefüllten Kiste bestanden haben soll, von welchem Golde dann die prächtige "Goldburg" gebaut worden und den Namen erhalten haben soll.

1644 erfolgte der Ausbau zum Barockschloss.

 1683 wurde die Goldburg erneut durch die Türken in der zweiten Türkenbelagerung schwer beschädigt.

1706 Das Schloss wurde durch Johann Bernhard Fischer von Erlach unter Graf Gundacker von Althan noch prunkvoller ausgestaltet.

Kaiser Karl VI., Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Joseph II. sollen prominente Gäste auf der Goldburg bei Graf Gundacker von Althan gewesen sein, der damals Hofkriegsrat und kaiserlicher Hofbaudirektor am Hofe war.

Nach dem Tod des Grafen Gundacker übersiedelte die Familie 1747 nach Zwentendorf an der Donau.


1809 Französisch-österreichischer Krieg. 
Napoleonische Truppen waren in der leerstehenden Goldburg einquartiert. Als nach einer durchzechten Nacht im Schlosshof ein Soldat erstochen aufgefunden wurde, ließ der Kommandant das Schloss in Brand stecken. Danach wurde es nicht wieder aufgebaut.


Stammbaum

Gemälde von Anton Rauscher aus Murstetten - im Heimatmuseum Perschling zu besichtigen

 


Künstler*in: Hugo Darnaut (1851 Dessau – 1937 Merkenstein) 
"Versunkene Pracht"



Motiv aus dem ehemaligen Park des 1809 zerstörten Schlosses Goldburg in Murstetten. Das Bild wurde 1901 für die Kaiserliche Gemäldegalerie erworben. Im Schloss Belvedere zu Besichtigen.

Mauerreste im Vorgarten

Bild von: Adolf Geritzer

Bild von Adolf Geritzer

Schlossgarten heute (2025)

Wo sich heute weitläufige Obstgärten und Feldstreifen erstrecken, war einst der Prachtgarten der Goldburg.
Einst schmückten Statuen in großer Zahl die Wege und Alleen des nach französischem Geschmack angelegten Parks. 

Nach der Zerstörung des Schlosses im Jahre 1809 wurden die Meisten der Gartenskulpturen verschleppt. 
Schloß Zwentendorf und das Perschlingtaler Posthaus erhielten einen Statuenschmuck von der Goldburg. Selbst auf manchen Bauernhoftoren der Umgebung (Moosbierbaum, Langmannersdorf) kann man noch Köpfe von Barockfiguren aus Murstetten finden.

Grotte mit Brücke

Bild von: Adolf Geritzer

Ein tiefer, zum Teil noch mit Wasser gefüllter Graben verrät uns die Stelle des Schlosses. 
Über den Graben führt eine Ziegelbrücke.
Im Brückenpfeiler eingebaut findet man eine mit Tuffsteinen ausgekleidete Grotte in der die Figur des Hundes zu sehen war.
In einem steingefaßten Becken entspringt hier die Quelle, die noch heute den Wassergraben speist.


Bild zur Verfügung gestellt von: Maria Luise Kerschbaum

Bild zur Verfügung gestellt von: Maria Luise Kerschbaum

ca. 1944

Bild zur Verfügung gestellt von: Sonja Schwarz

Grotte unter der Brücke.

Heute ist nur mehr der alte Sockel zu sehen auf dem der steinerne Hund saß.

Bild zur Verfügung gestellt von: Sonja Schwarz

Bild zur Verfügung gestellt von: Sonja Schwarz


Statuen, kopfloser Torso  - Putten mit Vase am Kopf

Statue des Merkur

Bericht vom 20.03.1921

Der Goldburg Glück und Ende.
 Goldburg— Da fliegt mein Geist zurück in die Tage meiner Kindheit, da ich auf dem Schoße meiner lieben Großmutter saß, die mir ihr gütiges
Antlitz zukehrte und erzählte: „Es stand einmal auf hohem Berge ein Schloß, das war aus eitlem Golde erbaut. Der Eingang war durch ein mächtiges Tor
verwehrt, das aus kostbarem Ebenholze gezimmert war. Es hatte hundert Fenster aus spiegelndem Bergkristall und das Wasser der blinkenden Dachrinnen schoß zur Erde nieder aus Drachenköpfen mit funkelnden Augen aus Rubinen. Schien die Sommersonne auf das Schloß, so war es, als blitzte eine mächtige Lohe (Flamme) gegen den Himmel und
noch nächtens ging ein Glühen vom Berge aus, das Wald und Flur mit
fahlem Lichte übergoß. In diesem Schlosse aber hauste der Zauberer."
Doch nein! Nicht ein Märcheir ist's, von dem ich sagen will. Es gab eine
„Goldburg", nicht ein luftiges Gebilde kindlicher Phantasie in Irgendwo, nein,
auf festem Erdengrunde verankert war sie, ein Juwel unserer engeren Heimat.
In seltener Pracht erbaut, war sie ein Symbol des Reichtums, Zeuge aus­
erlesenen Geschmackes seiner Besitzer, war durch Jahrhunderte ein Sitz vor­nehmer Lebensführung, ein Hort edlen Lebensgenusses. 

Heute ist sie bis auf klägliche Reste verschwunden. Auf dem Schloßgebiete schürft der Pflug die duftende Scholle auf und saust die Sense durch das hohe Gras der blumenreichen Wiese. Und die Musik, zu der einst bei Trompeten- und Flötenklang, bei Zim­beln und Paukenschall die Freude tanzte, ist längst verstummt. Heute zirpt die Grille dort und quakt der Laubfrosch. Dort, wo der langgestreckte Höhenzug des Haspelwaldes gegen Mitternacht abfällt, liegt, hart an den Forst ange­schmiegt, wie ein Kind an der Mutter Brust, das lieb­liche Dörfchen Murstetten.

Die alte Kirche, durch Jahrhunderte die liebreiche Trösterin der gläubigen
Bewohnerschaft in den Nöten des Lebens, sieht von ihrer Höhe über Dächer
und Fluren hin und wenn der Blütenschnee des Lenzes den Gärten des Dorfes ein Festkleid angetan, dann gibt es wohl weit und breit keinen Flecken, der es dieser Siedelung am Haspel­walde gleichtun könnte.

In dieser ländlichen Umwelt hauste schon früh das adelige Geschlecht der
Althan, seitdem Wolfgang v. Althan mit seiner Gemahlin Anna v. Pötting
in der ersten Hälfte des Jahrhunderts aus Schwaben kam und sich
in Murstetten niederließ. Das Schloß, dem man nachmals den Namen
»Goldburg" beilegte, soll vom Grafen Gundaker v. Althan erbaut worden
sein. Ein stolzer Bau mit zweii Stockwerken kehrte seine Stirnseite gegen
Osten. An deren Ecken waren dachgedeckte, kleinfensterige Vorbauten an­
gebracht, die wohl der Verteidigung gedient haben mochten. Zum Haupttor
führte eine Brücke mit prächtigen Balustraden über den breiten Wassergraben, der das Schloß umgab.
Zwei kolossale Löwen, mit Schlangen kämpfend, flankierten die Brücke. An den Flanken des quadrat-förmigen Baues reichten mächtige Strebepfeiler bis zum ersten Stockwerke hinauf, die eine reichverzierte
Galerie trugen. Zu beiden Seiten der Rückenfront ragenten zwei hohe chinesische Türme empor mit reich ornamentierten Rundgängen, ein Unikum der Bau­kunst damaliger Zeit, weithin berühmt und bewundert.
Die Rückseite des Schlosses war einem groß an­gelegten Garten zugewendet, zu dem eine hochgewölbte, gemauerte Brücke führte, bewacht von zwei großen, steinernen Sphinxen. Herrliche Alleen, schattende Bogengänge und Baumgruppen wechselten mit mit Taxushecken und bunten Blumenbeeten, lauschige Pavillons luden zu stiller Rast, die Jugend zu zärtlicher Schäferstunde ein, eine Reitbahn bot Vergnügen den sportliebenden Kavalieren und eine Orangerie und Glashäuser mit
den seltensten Kindern des Südens erfüllten ihre Räume mit
süßem Dufte. 
Überreich war der Garten mit Bildwerken aus Stein bedacht: Vasen, Amoretten, Götter und Halbgötter aus der griechischen Heidenzeit
hoben sich blendend ab vom  dunkeln Buschwerke, und Springbrunnen und Wasserkünste aller Art erfreuten das Auge und ihr geschwätziges Plätschern drang lieb­lich an das Ohr dessen, der das Glück hatte, sich in
diesem weltabgelegenen Paradiese ergehen zu können.
Eine starke, weitausladende Mauer umgab Schloß, Wirtschaftsräume und Garten. So geartet war dieser Edelsitz, den man die „Gold­burg" nannte.
Woher der Name? Eine offene Frage, die schwerlich ihre Erledigung finden dürfte. Man sagt, das hohe Dach des Schlosses sei mit vergoldeten
Schindeln gedeckt, seine Mauern wären mit spiegeln­den Porzellantafeln verkleidet gewesen, die im Sonnen­lichte schimmerten wie Helles Gold. Eine andere Version läßt einen Hund im Meierhofe eine Kiste ausscharren,
die mit eitleln Golde gefüllt war und der dankbare Besitzer des Schlosses habe diesem klugen Tiere in einer Grotte ein steinernes Denkmal gesetzt. Tatsächlich ist heute noch unter der vom Schloß in den Garten führenden Brücke eine mit Tuff ausgekleidete Grotte vorhanden, in der eine mächtige Dogge aus Stein an einem kleinen Wasserbecken Wache hält. Zweifellos ist,

daß das Schloß mit einem außerordentlichen Aufwand und in beispielloser Pracht erbaut wurde, und daß man sich auch Wunder von dem Reichtum der inneren Ausstattung in den zahlreichen Gemächern erzählte und wir dürften da wohl nicht fehlgehen, da das gleißende Gold in den Augen der Menge stets als Verkörperung alles Reichtums galt, wenn wir annehmen, daß das Schloß den Namen „Goldburg" seinem außergewöhnlichen äußeren und inneren Reichtum verdankte. Die Grafen v. Althan waren am Hofe zu Wien gerne gesehen und es lag nahe, daß sich da zwischen der Goldburg zu Murstetten und der Hofburg zu Wien mannigfache Wechselbeziehungen ergaben. Der Adelssitz zu Murstetten sah oft vornehme Gäste der
Reichshauptstadt in seinen Mauern. Und als Franz v. Althan Obersthofmeister der Kaiserin Maria Theresia wurde, kam die große Frau mit ihrem Sohne Josef, dem nachmaligen Kaiser, öfter zur Goldburg angefahren, um ferne vom Zwange des Hofes ein paar Tage in ländlicher Abgeschiedenheit, nur dem Vergnügen hingegeben, zu verbringen.
 

Bukolische (Ländliche, einfache) Feste lösten einander ab und wenn die Kavaliere und Damen des Hofes ihrer müde waren, ergingen sie sich in dem zauberhaften Lustgarten und freuten sich an empfindsamen Schäferspielen oder flüsterten in halbdunklen Grotten und verschwiegenen Lusthäusern. Wie es Eichendorf so hübsch gezeichnet hat: 
„Es glänzt der Tuplenflor, durchschnitten von Alleen, 
Wo zwischen Taxus still die weißen Statuen stehen. 
Mit goldnen Kugeln spielt die Wasserkunst im Becken, 
Im Laube lauert Sphinx, anmutig zu erschrecken. 
Die schöne Chloe heut spazieret in dem Garten,
Zur Seit' ein Kavalier, ihr höflich aufzuwarten.
Und hinter ihnen leis Cupido kommt gezogen,
Bald duckend sich im  Grün, bald zielend mit dem Bogen."


Kam aber der Herbst ins Land, so ging eine fröhliche Jagd auf und das Hifthorn widerhallte im Blätterdom des Haspelwaldes.
Nach dem Tode der großen Kaiserin mag das Schloß aus ein ruhigeres
Dahinleben seiner Bewohner dahingesehen haben. Freud und Leid wechselten im Hause, die Herren v. Althan pflegten aber stets ihres Besitzes und sie hielten seinen Ruf hoch als einen der schönsten Adelssitze unserer Heimat. Jahrzehnte kamen und gingen und ein neues Jahrhundert kam heran und niemand ahnte, daß der stolzen Goldburg Tage gezählt seien. 

Es kamen die Kriege Napoleons, des Riesen, der mit dröhnenden Schritten die Fluren Europas durchlmaß und wo er hintrat, gab es Blut und Tränen, und brennende Städte und Dörfer wiesen ihm nächstens die Wege.

Am 21. Mai des Jahres 1809 sollte auch der Goldburg Schicksalsstunde schlagen. Wie es kam, darüber ist Authentisches nicht auf­findbar. Der Volksmund aber erzählt sich: Am 8. Mai traf der Korse mit seinem Stäbe in Sankt Pölten ein und verblieben die Franzosen daselbst bis Ende des Jahres. Ununterbrochen wurden große Heeresabteilungen gegen Osten vorgeschoben und so bezog auch eine Ab­teilung auf dem Marsche die Quartiere in Perschling. Einige Soldaten spazierten außer Dienst nach 
Mur­stetten hinüber, um sich das berühmte Schloß zu besehen, dessen Besitzer abwesend waren. Hier nun soll ein Bediensteter des Schlosses einen der Sol­daten aus unbekanntem Grunde niedergeschossen haben. Nun brach das Verhängnis über das Schloß herein. Eine Strafexpedition, vom Kommando befehligt, steckte am 21. Mai das Schloß in Brand.
Mächtig schlug die Lohe gen Himmel und die hungrige Flamme stieg in
die kostbaren Gemächer hinab und was sie an Schätzen nicht verzehren
konnte, verdarb sie. Bald ragten die schwarzen Mauern einer Brandstadt in die Lüfte. 

DasHaus wurde nicht mehr aufgebaut. Es verkam zur Gänze, der Zaubergarten verödete. Die Steine der Mauern, die Bildwerke, die eine Zier des Gartens bildeten, wurden verschleppt. In den Dreißigerjahren
des vorigen Jahrhunderts war noch die Hauptfront gegen Osten erhalten. Auch die mächtigen Löwen hielten an der Brücke noch die Wache. Weitere Jahrzehnte aber ließen den herrlichen Bau bis auf die Umfassungsmauern und einige heute noch erhaltene Wirtschaftsgebäude vollständig verschwinden
Auf dem Schloß­gebiete schürft der Pflug die duftende Scholle auf und die Sense saust durch das hohe Gras der blumenreichen Wiese. Zur Sommerszeit singt die Grille ihr tausendstimmiges Lied. Wo sich einst die Pracht angemessenen Reichtums breit gemacht und ein vornehmes Geschlecht auf den Höhen des Lebens gewandelt
.
Vor ungefähr 20 Jahren saß Hugo Darnaut, der Meister des Pinsels, an den Resten vergangener Größe, vor den Ruinen eines Gartenhauses und den  verstreuten Bildwerken, die der Zahn der Zeit und der Vandalismus der Menschen noch übrig gelassen und malte ein Bild, das er 
„Versunkene Pracht" nannte.

Statue vom Mohrenkönig - Putten mit Vase am Kopf - Statue des Merkur

Die Goldburg

Bericht vom 02. September 1921

Die Goldburg
Das klingt wie der Titel eines Grimm-Märchens.
Daß es so etwas in der nächsten Nähe Wiens, ein wenig über
eine Stunde Personenzugsfahrt, wirklich gibt, und daß einem
beim Betrachlen der unwiederbringlich versinkenden Herrlichkeiten
die reizendsten Märchen einfallen, das wird einem erst klar, wenn
man an Ort und Stelle ist. Aber wo ist denn '"diese Goldburg
eigentlich? Ein Dörflein mit etwas über 300 Einwohner im
politischen Bezirk Tulln, Gebietsbezirk Atzenbrugg. heißt Murstetten.
Man gelangt dahin, indem man mit der Westbahn bis Böheimkirchen, drei Stationen vor St. Pölten, fährt. Notabene ist von Böheimkirchen zu berichten, daß der Ort seinen Ursprung einer uralten Tschechensiedlung verdankt. Ein Häuflein Tschechen wurde nämlich durch die Waren hierher versprengt und von der deut­sche» Bevölkerung in Schutz genommen. Die auf einem
Hügel liegende Kirche stammt in ihren Grundfesten noch aus dieser Zeit, wird urkundlich als „Böhmkirchen" bereits im Jahre 1110 erwähnt; im Jahre 1518 wurde sie umgebaut. Da in Böhnmkirchen die alte Römerstraße West-Ost durchlief, glaubt man, daß bereits vor der Slawensiedlung daselbst ein römisches Castrum bestanden hat. Um nun von Böheimkirchen nach 
Mur­stetten zu gelangen, benutzt man den Stellwagen, der täglich nach
Schloß Thalheim verkehrt. Die acht Kilometer lange Strecke legt
das etwas altoäterische Gefährt in gut einer Stunde zurück; zu
Fuß macht man die Wanderung bequem in anderthalb Stunden.
Das Schloß Thalheim bietet nicht viel Intereffantes und man versäumt nichts? wenn man gleich seinen gnaden Weg nach dem
Dörfchen Murstetteu lenkt, um daselbst eine Zeitlang in vergangener Pracht zu schwelgen. Von Thalheim hat man noch eine halbe Stunde Fußweg längs des bewaldeten Zuges des Haspelwaldes.
Murstetten ist ein ziemlich altes Pfarrdorf und seine Ge­schichte greift zurück bis ins XIII. Jahrhundert. 
Gegründet wurde der Ort und die Kirche von den Herren von Wirmla nach welchem noch heute Schloß und Dorf Würmla bei Murstetten den Namen
führen. Der Propst von Herzogenburg,, Nikolaus I a Payu
(1381 bis 1374). der dem Geschlechte der Herren von Wirmla
entstammte, hatte trotz seiner sonstigen Sparsamkeit, welche im
Stift Herzogenburg nicht gerade angenehm ausfiel, immer einiges
für die Gründung seiner Väter übrig. Später mußte fich die
Pfarre so recht und schlecht „durchfretten", wie der Wiener sagt
und erst als die Grafen von Althann die Sorge über das Pfarrdorf übernahmen, ging es wieder flott vorwärts. Von nun an
nahm auch die Kirche an dem Prunk, der auf der Althannburg
entfaltet wurde, Anteil. Die Kirche bietet noch heute eine Sehens­würdigkeit sondergleichen, und es ist nur zu wundern, daß die Künstlerschaft Österreichs so wenig von der Schönheit der dort erhaltenen Grabmäler der gräflichen Familie von Althann aus dem XVI. und XVII. Jahrhundert weiß. Das auf einer Anhöhe reizend gelegene Kirchlein, welches im gotischen Stil gebaut ist, birgt die reichen Skulpturen auf den Grabstätten und zählt viel
von der verschwunden Pracht.

Es ist eine Merkwürdigkeit, daß man in Österreich an
Ort und Stelle, wo sich große Ereignisse dereinst abspielten, nichts
erfahren kann; Die Bevölkerung ist dort von einer derartigen
Unkenntnis der Ortsgeschichte, daß man fast versucht ist, zu
glauben, die Leute hätten Auftrag, dem Wanderer nichts von dem
bewachten Schatz zu verraten. In den Wirtshäusern wohin die
Leute aus der dreiklassigen Volksschule als weitere „Fortbildungsstätten" gelangen, ist rein nichts zu erfahren, als einige be­langlose Sagen, die irgendeine Großmutter einmal den Enkeln, um sie einzuschläfern, erzählt hat. So weiß man höchstens von der berühmten „weißen Frau", die auf dem Gottesacker umgeht" etwas zu berichten, die natürlich gewissenhaft an bestimmten Tagen „spuken" muß.
Der und jener, als« einmal aus dem Wirtshaus „stockhagelb' soffen" heimging, habe bestimmt gesehen, daß sie ihm gewinkt habe. 
Ausgerechnet ihm.
In Murstetten nun, wo sich außer den Sehenswürdigkeiten in der
Kirche noch die Reste des einst mit außerordentlicher Pracht ausgestattet gewesenen Schlosses des Gundacker Grafen Althan befinden,
weiß man nicht mehr zu sagen, als daß die Ruine „Goldburg" heißt
und daß jedenfalls daselbst— wie einer im Wirtshause be­hauptete
 „a Mordstrumm Haufen Gold vagraben is". „Den kann ma' aber nur finden," hat ihm seine Großmutter einmal erzählt, „wann ma' in oaner Nacht, wann Neumond wird, mit oaner Hollerzwiesel, die was ma' beim Vollmond z'nächst oaner Friedhofsmauer g'schniten haben muaß, ohne Leitern' in der Burg umeinandergeht. Was aber g'fährlich is, weil ma' leicht in
a Gruab'n fallen kann, und deswegen is der Schatz no' nit entdeckt
wor'n!" Da der Wanderer wohl kaum Lust verspüren wird,
sich die Goldburg in einer Neumondnacht ohne Licht, nur be­waffnet mit der ominösen „Hollerzwiesel", zu besehen, um den fraglichen Goldschatz zu heben, so muß er sich schon anderswie mit der Geschichte der Goldburg vertraut machen.

Abgesehen von der übrigen bemerkenswerten Geschichte des
Stammsitzes der Althann, die jedoch auf den Namen „Goldburg"
keinen Bezug hat, hat die „Goldburg" selber, so wie sie Graf
Gundacker, der zur Zeit Karls VI., des Vaters der Maria
Theresia, mit aller Pracht ausgestattet hatte, von glänzenden
Festen zu erzählen. Gundacker Graf Althan war der Obersthofmeister 
Karls VI. und setzte eine besondere Ehre darein, die Hof­festlichkeiten 
auf sein Schloß zu ziehen. Selbstverständlich war es
eine seiner größten Sorgen, die kaiserlichen Majestäten und die
fürstlichen Besuchs des Wiener Hofes mit aller Pracht zu umgeben.
Die Goldburg sollte die kaiserliche Burg in Wien noch bei weitem
übertreffen. Noch aus der Anlage und aus den verbliebenen
Resten der Bildhauerarbeiten kann man erkennen, daß Gundacker
es verstanden haben muß, den besuchenden Fürstlichkeiten ein
wahres Paradies vorzuzaubern. Einer der eifrigsten Für­sprecher
die Hoffestlichkeiten in ziemlicher Weltabgeschiedenheit, unbeachtet vom großen Publilum, auf der Goldburg abzuhalten. war Pietro Metastasio, der im Jahre 1729 von Karl VI. als Hofdichter an den Wiener Hof verpflichtet wurde.
Dieser berühmte Dichter und Schöpfer des italienischen Singspiels
war ein Freund Gundackers und kam dessen politischem Ehrgeiz
dadurch entgegen, daß er den Kaiser bestimmte, die prächtigsten,
aber auch die intimsten Hoffestlichkeilen in der Goldburg zu
veranstalten. Gundacker, der auf diese Weise öfters den recht
unmajestätisch erotischen Bedürsnissen der allerhöchsten Herr­schaften entgegenkommen konnte und daher die Majestäten in 
ihr puren Menschlichkeit zu sich herabzog, weil ja in der weltabgeschiedenen Goldburg die höchsten Herrschaften ungeniert so 'tun konnten, „als ob sie wirklich Menschen wären", hakte
hiedurch für sich und sein Geschlecht die Wege zum Aufstieg
schönstens hergerichtet. Denn— man spricht ja über Fragen der
Existenz um so leichter, je intimer man der ent­scheidenden Persönlichkeit gegenübersteht. Wir wollen an­nehmen, daß es nicht so arg war, als manche besonders Übellaunige uns gerne aufbinden wollten. Wir wollen glauben,
daß sich die höchsten Herrschaften an den Stücken Metastasios
in reiner Freude begeisterten, daß sie in der Goldburg nur Theateraufführungen beiwohnten, daß Mekastasio seine Stücke „li Trionfo
di Clelia", II Re pxstore" und „La Clemensa di Tito" einer
gespannt lauschenden Fürstenversammlung durch die auserlesene
Schar italienischer Sängerinnen und berühmter römischer Kastraten
vortragen ließ.
Die Goldburg stand in ihrer Pracht noch im Jahre 1809.
Damals aber legte aber ein übellauniger französischer Soldat aus Mutwillen
Feuer in das Schloß und die einst so berühmt gewesene „Gold­burg" 
sank in einen armseligen Aschenhaufen zusammen. Und
seither geht die einstmals prachtvollste Burg Österreichs in ihren
spärlichen Resten unaufhaltsam ihrem gänzlichen Untergang
entgegen und begräbt unter ihren Trümmern die Erinnerung an
festliche Sorglosigkeiten versunkener Fürstengeschlechter und deren
bizarrer Minne.

Heute, 2024, steht das von Gestrüpp überwucherte Areal unter Denkmalschutz. Eigentümer ist nach wie vor die in Zwentendorf wohnhafte Familie Althann.


Der Nachfolger Severin Althann baute 2022 im ehemaligen Schloßgarten ein nachhaltiges Wochenendhaus aus natürlichen Materialien.


Bildquelle: www.noe-gestalten.at